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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Fallbericht: Bilateral Acute Iris Transillumination (BAIT)

Adrian Skowronski - Dortmund
E. Kardes - Dortmund
S. Feki - Dortmund
M. Kohlhaas - Dortmund

Text

Hintergrund: Bilateral Acute Iris Transillumination (BAIT) ist ein seltenes und relativ neues Syndrom, das erstmals 2004 von Bringas Calvo et al. und später in einer größeren Fallserie 2011 von Tugal-Tutkun et al. beschrieben wurde. In der Literatur ist bislang nur eine begrenzte Anzahl von Fällen dokumentiert, wobei während der Coronavirus-Pandemie ein Anstieg der Fallzahlen beobachtet wurde. Die Pathogenese der Erkrankung ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Es besteht jedoch ein enger Zusammenhang mit Infektionen der oberen Atemwege sowie mit einer antimikrobiellen Therapie, insbesondere mit Moxifloxacin.

Kasuistik: Eine 22-jährige Patientin wurde im Februar 2024 zur Glaukomdiagnostik und zur Abklärung eines zunehmenden Verlusts von Irispigment sowie einer nahezu vollständigen Transillumination der Iris in unsere Klinik überwiesen. Seit August 2023 klagte sie über starke Blendungsempfindlichkeit sowie über ungewöhnlich weite Pupillen, ohne eine subjektive Sehverschlechterung anzugeben. Zu diesem Zeitpunkt wurde bei ihr eine Uveitis anterior diagnostiziert, die mit topischen Kortikosteroiden behandelt wurde. Aufgrund eines erhöhten Augeninnendrucks von bis zu 30 mmHg wurde zusätzlich eine Therapie mit Monoprost eingeleitet, die bis zum aktuellen Zeitpunkt fortgesetzt wird. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich beidseits ein bestkorrigierter Visus von 1,0 sowie unter lokaler drucksenkender Therapie ein normwertiger Augeninnendruck von 17 mmHg. Im vorderen Augenabschnitt zeigten sich beidseits erweiterte, irreguläre, atonische Pupillen mit ausgeprägter, diffuser Iristransillumination. Gonioskopisch fiel eine deutliche Hyperpigmentierung des Trabekelmaschenwerks auf. Eine gezielte Anamnese ergab, dass die initialen Beschwerden etwa zwei Wochen nach einer Pneumonie auftraten, die mit oralem Moxifloxacin behandelt worden war. Aufgrund dieser Vorgeschichte und der ophthalmologischen Befunde wurde die Diagnose eines BAIT-Syndroms gestellt.

Schlussfolgerung: BAIT ist ein selten beschriebenes Syndrom, das bislang nur wenigen Augenärzt:innen bekannt ist. Charakteristische Merkmale des Syndroms sind eine konjunktivale Hyperämie sowie ein Verlust des Pigmentepithels der Iris, was zu einem Pigmentausfluss und Pigmentablagerungen in der Vorderkammer führt mit konsekutiver, irreversibler, diffuser Iristransillumination. Laut einer Literaturübersicht ging in 69% der Fälle eine Infektion der oberen Atemwege voraus. 81% der Patient:innen wurden kurz zuvor antibiotisch behandelt, meist mit Moxifloxacin (66%). In der klinischen Praxis ist es wichtig, das Syndrom zu kennen, um frühzeitig eine adäquate Therapie einzuleiten und eine umfassende sowie häufig kostspielige Uveitis-Diagnostik zu vermeiden.