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188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Klinische Merkmale filtrierender Glaukomchirurgie und deren frühes postoperatives Verhalten – eine oregis-Analyse von Trabekulektomie und sickerkissenbildenden Implantaten

Marc Gerd Sieradzki - Düsseldorf
A. Strzalkowska - Düsseldorf
P. Strzalkowski - Düsseldorf
K. Spaniol - Düsseldorf
M. Roth - Düsseldorf
C. Dicke - München
G. Geerling - Düsseldorf
A.K. Schuster - Mainz
Oregis - www.oregis.de

Text

Ziel: Sickerkissenbildende Implantate (MIBS) wie PreserFlo Microshunt oder XEN Gel Stent scheinen eine interessante Alternative zu einer Trabekulektomie (TE) darzustellen. Daten zu den operativen Verfahren in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit stammen meist aus randomisierten klinischen Studien (RCTs) mit ausgewählten nicht-voroperierten Patienten. Multizentrische Real-World-Daten fehlen. Das Ziel der Arbeit war es, die Wirksamkeit und Sicherheit der MIBS in Vergleich zur TE basierend auf oregis-Daten, einem multizentrischen Register aus Routinedaten, zu analysieren.

Methode: Es erfolgte eine retrospektive Analyse der Patientendaten, die seit 2019 in oregis eingeflossen sind; darunter Patienten mit TE (OPS 5-131.01) oder MIBS (OPS 5-131.63). Verglichen wurden Patientencharakteristika, Glaukomform, Voroperationen, Augeninnendruck (IOD), Anzahl der drucksenkenden Augentropfen (AT) prä- und postoperativ, Komplikationen und Revisionen. Die statistische Analyse erfolgte mittels t- und Fischer Exact-Test mit einem Signifikanzniveau von p<0,05.

Ergebnis: 670 TE- und 896 MIBS-Patienten wurden eingeschlossen. Das durchschnittliche Alter betrug bei TE 66,1±14,5 und bei MIBS 69,6±12,7 Jahre (p<0,001). 325 Frauen (49%) wurden mittels TE und 452 (50%) mittels MIBS versorgt (p=0,48). Ein POWG war mit 57% in der TE- und 45% in der MIBS-Gruppe die am häufigsten codierte Glaukomform. 247 Patienten (37%) waren in der TE- und 328 (37%) in der MIBS-Gruppe bereits voroperiert. Der IOD betrug in der TE und MIBS-Gruppe präoperativ 22,3±6,7 mmHg und 20,4±5,6 mmHg (p<0,001). Postoperativ lag der IOD im Vergleich zwischen TE und MIBS in den ersten 0–7 Tagen bei 10,7±5,4 mmHg vs. 10,8±4,4 mmHg (p=0,69), in den Tagen 8–30 bei 11,9±5,8 mmHg vs. 12,8±5,2 mmHg (p=0,001), und in den Tagen 31–90 bei 13,7±5,9 mmHg vs. 13,9±5,2 mmHg (p=0,48). Die Anzahl der drucksenkenden AT konnte nach 31–90 Tagen nach TE und MIBS jeweils um 73% im Vergleich zur Baseline gesenkt werden. Die Anzahl an Revisionen lag nach TE bei 407 und nach MIBS bei 579. Der durchschnittliche Abstand zu einer postoperativen Revision betrug nach TE 171±274 Tage und nach MIBS 202±310 Tage.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass MIBS unter Alltagsbedingungen in den ersten 3 Monaten vergleichbare Drucksenkungen zur TE erreichen, wenngleich die IOD-Werte nach TE höher als in verschiedenen RCTs lagen. Die Datenqualität könnte durch unvollständige Codierung beeinträchtigt sein.