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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Kriterien zur Prüfung der Freiverantwortlichkeit im Kontext von Anfragen nach assistiertem Suizid – eine qualitative Interviewstudie
Text
Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hat Kriterien für einen freiverantwortlichen Entschluss zu einem assistierten Suizid (AS) benannt: 1. Fähigkeit zur freien Willensbildung unbeeinflusst von einer psychischen Störung, 2. Freiheit von unzulässiger Einflussnahme oder Druck, 3. Dauerhaftigkeit und innere Festigkeit und 4. Kenntnis entscheidungsrelevanter Gesichtspunkte. Bislang ist wenig zum Verständnis und der Anwendung der Kriterien in der Praxis bekannt.
Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieser Studie ist die Exploration von Perspektiven zur Prüfung der Freiverantwortlichkeit von Professionellen, die mit Anfragen bezüglich AS konfrontiert werden.
Material & Methoden: Semi-strukturierte Interviews mit Ärzt:innen (n = 8), Jurist:innen (n = 3) und Vertreter:innen weiterer Berufsgruppen (n = 2), welche bereits Anfragen bezüglich AS erhalten haben. Die Interviews wurden transkribiert und mithilfe der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz analysiert.
Ergebnisse: Mit Blick auf die Fähigkeit zur freien Willensbildung wurde die Sicherstellung der Freiheit von akuten psychischen Störungen thematisiert, welche teilweise unter Einbeziehung entsprechender Fachkompetenz erfolgte. Die Feststellung der Freiheit von unzulässiger Einflussnahme oder Druck wurde als herausfordernd beschrieben. Mögliche Herangehensweisen waren separate Gespräche mit Anfragenden und ihren Angehörigen oder die Durchführung der Gespräche am Wohnort der Anfragenden. Für das Kriterium der Dauerhaftigkeit und inneren Festigkeit wurden zum Teil feste Zeitspannen zwischen der ersten Anfrage und der Durchführung des AS gefordert, andere Teilnehmende setzten keine Wartezeiten voraus. Als Grundlage für die Kenntnis entscheidungsrelevanter Gesichtspunkte wurde eine Beratung zu Handlungsalternativen benannt. Ein übergeordnetes Thema war die Nachvollziehbarkeit einer Anfrage bezüglich AS.
Diskussion: Die Analyse zeigt unterschiedliche Ansätze zur Prüfung der Kriterien der Freiverantwortlichkeit im Kontext von Anfragen bezüglich AS sowie verschiedene Herausforderungen. Die Rolle der Nachvollziehbarkeit ist zum Teil kritisch einzuordnen.
Take-Home-Message für die Praxis: Diese Studie weist tendenziell auf eine Heterogenität mit Blick auf das Verständnis und die Anwendung der Kriterien für Freiverantwortlichkeit hin. Leitfäden oder vergleichbare Maßnahmen für ein strukturierteres Vorgehen könnten Professionelle bei der Prüfung der Freiverantwortlichkeit unterstützen.
Interessenkonflikte: L. Kupsch, J. Schildmann, S. Sommerlatte: Mitwirkung an der S2k-Leitlinie "Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung" als Mitglieder der Koordinationsgruppe
A. Kremling: keine
J. Schildmann: Mitwirkung an der S2k-Leitlinie "Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung" als Mandatsträger, themenbezogene Referatshonorare, Förderung eines wissenschaftlichen Netzwerks durch Mittel der DFG und BMBFTR, Mitgliedschaften in der DGHO, DEGAM, AEM



