Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Arbeitsbelastungen und sozialmedizinische Verläufe nach Rehabilitation: eine Sequenzmusteranalyse auf Basis von Routinedaten

Martin Brünger - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland; Einstein Center Population Diversity (ECPD), Deutschland
Sebastian Bernert - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland
Paul Gellert - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft, Berlin, Deutschland; Einstein Center Population Diversity (ECPD), Deutschland

Text

Hintergrund: Der sozialmedizinische Verlauf nach medizinischer Rehabilitation ist häufig heterogen und durch Übergänge zwischen Erwerbstätigkeit, Nicht-Erwerbstätigkeit und Leistungsbezug gekennzeichnet. Es ist bekannt, dass Arbeitsbelastungen in einem bedeutenden Zusammenhang zu Gesundheit stehen. Unklar ist jedoch bislang, inwieweit diese Belastungen den sozialmedizinischen Verlauf nach Rehabilitation beeinflussen.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war es, typische sozialmedizinische Verläufe nach Rehabilitation zu identifizieren und den Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastungen und Verlaufsmustern zu untersuchen.

Material & Methoden: Auf Basis des Scientific Use File abgeschlossene Rehabilitationen 2014–2021 der Deutschen Rentenversicherung wurde eine Kohortenstudie durchgeführt. In die Auswertung gingen 621.695 Versicherte (18–63 Jahre) mit abgeschlossener Rehabilitation ein, für die vor Beginn der Rehabilitation eine Erwerbstätigkeit dokumentiert war. Der sozialmedizinische Status wurde über 24 Monate monatlich in fünf Zustände (Erwerbstätigkeit, Nicht-Erwerbstätigkeit, Altersrente, Erwerbsminderungsrente, Tod) codiert. Mittels Sequenzmusteranalyse (Optimal Matching, PAM-Clustering) wurden typische Verlaufsmuster identifiziert. Arbeitsbelastungen wurden über die Berufstätigkeit und den Overall Job Exposure Index operationalisiert, der auf der Bildung von Job-Exposure-Matrizen (JEM) beruht. Der Zusammenhang zwischen Belastungsniveau und Clusterzugehörigkeit wurde mittels multinominaler logistischer Regression unter Adjustierung für soziodemografische, erwerbsbezogene und gesundheitliche Faktoren untersucht.

Ergebnisse: Es konnten mehrere distinkte Verlaufstypen identifiziert werden. Höhere arbeitsbezogene Belastungen waren auch unter Adjustierung signifikant mit einer erhöhten Chance verbunden, ungünstigeren Verlaufstypen anzugehören, insbesondere solchen mit anhaltender Nicht-Erwerbstätigkeit und Eintritt in die Erwerbsminderungsrente.

Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung arbeitsbezogener Belastungen für den langfristigen Rehabilitationserfolg. JEM-basierte Indices stellen eine praktikable Möglichkeit dar, arbeitsbezogene Expositionen in Routinedatenanalysen zu berücksichtigen. Limitationen bestehen u.a. in der indirekten Expositionsmessung sowie potenzieller Residualkonfundierung.

Take Home Message für die Praxis: Arbeitsbelastungen sind ein zentraler Prädiktor für den sozialmedizinischen Verlauf nach Rehabilitation. Ihre Berücksichtigung kann dazu beitragen, Risikogruppen frühzeitig zu identifizieren und gezielt in Reha- und Nachsorgeangebote zu steuern

Interessenkonflikte: Keine