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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Die Rollen von Ärzt:innen bei der Suizidassistenz in Deutschland – eine qualitative Studie über Handlungsfelder und Herausforderungen

Sven Schwabe - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin, Deutschland
Anna Preitenwieser - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin, Deutschland
Franziska Annemarie Herbst - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin, Deutschland

Text

Hintergrund: Im Jahr 2020 hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung aufgehoben. Seitdem berichten Sterbehilfeorganisationen einen kontinuierlichen Anstieg assistierter Suizide (AS). Ärzt:innen werden regelmäßig mit Suizidwünschen konfrontiert, aber über ihre Beteiligung an AS ist wenig bekannt.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Tätigkeiten übernehmen Ärzt:innen bei AS und mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert?

Material & Methoden: Zwischen Dezember 2025 und März 2026 wurden halbstrukturierte qualitative Interviews mit Personen geführt, die an AS in Deutschland beteiligt waren. Die Einladung zur Studienteilnahme wurde von wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Instituten, Suizidassistenzorganisationen, Beratungsstellen und Interviewpartner:innen (Snowball-Sampling) disseminiert. Die Interviews wurden digital aufgezeichnet, wörtlich transkribiert und werden derzeit qualitativ inhaltsanalytisch nach Mayring (2022) ausgewertet. Die vollständigen Ergebnisse werden voraussichtlich im Sommer 2026 vorliegen.

Ergebnisse: Es wurden bisher n=10 Interviews mit Ärzt:innen geführt, die an AS in Deutschland beteiligt waren. Die Handlungsfelder von Ärzt:innen variierten stark und umfassten: a) Information und Beratung, b) Prüfung von Suizidassistenzanfragen, c) Vermittlung von Suizidassistent:innen, d) Koordination des Settings, e) Beschaffung der Medikamente, f) Begleitung der Durchführung, g) Darreichung der Medikamente, h) Dokumentation, i) Kontakt mit der Polizei, j) Leichenschau und Todesbescheinigung. Herausforderungen betrafen u.a. die Prüfung der Freiverantwortlichkeit, emotionale Belastungen beim Umgang mit Sterbewünschen, das Legen des venösen Zugangs und die Angst vor strafrechtlichen Ermittlungen.

Diskussion: Ärzt:innen übernehmen zahlreiche Aufgaben bei AS. Sie sind als einziger Akteur berechtigt, die letal wirkenden Medikamente zu organisieren, aber ihre Mitwirkung an AS ist freiwillig. Medizinische Leitlinien und rechtliche Vorgaben könnten dazu beitragen, die bestehenden Herausforderungen und Unsicherheiten von Ärzt:innen bei AS abzubauen.

Take Home Message für die Praxis: Ärzt:innen sind zentrale Akteure bei AS in Deutschland und von der Beratung bis zur Leichenschau in den gesamten Prozess involviert. Qualifizierungsangebote für Ärzt:innen (z.B. zum Umgang mit Sterbewünschen oder zur Begleitung von AS) und Vorgaben könnten zu einem offeneren, sicheren und transparenteren Umgang mit AS beitragen.

Interessenkonflikte: Keine