38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
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Vorderkammerpunktion statt Vitrektomie beim okulären Lymphom? KI-gestützte Sequenzierung von zellfreier DNA zur Diagnose
Text
Zielsetzung: Die Diagnostik des okulären Lymphoms ist auch chirurgisch herausfordernd, da diagnostisch verwertbares Material oft nur begrenzt verfügbar ist. Klinisch wird häufig die Durchflusszytometrie (FACS) aus Glaskörperproben nach Vitrektomie eingesetzt, obwohl sie nicht überall für dieses Material validiert ist und artefaktanfällig sein kann. Diese Pilotstudie evaluiert daher eine innovative diagnostische Kette aus Vorderkammerpunktion, Nanopore-Sequenzierung und KI-basierter Klassifikation als eine weniger invasive Alternative.
Methode: Zusätzlich zur Vitrektomie mit FACS erfolgte bei Patienten mit Verdacht auf okuläre Mitbeteiligung eines bekannten Lymphoms sowie drei Kontrollpatienten eine Vorderkammerpunktion. Von allen Patienten wurden aus dem Kammerwasser und Glaskörperpunktat zellfreie DANN (cfDNA) isoliert und sequenziert, und dann mittels des KI-basierten Klassifikators „Sturgeon“ anhand des Methylierungsprofils als entzündlich oder tumorverdächtig eingeordnet.
Ergebnis: Im Mittel betrug der Input aus Kammerwasser 0,22 ml und aus Glaskörper 0,96 ml. Der Mittelwert der extrahierten cfDNA-Menge lag im Kammerwasser bei 23,45 ng/ml und im Glaskörper bei 40,27 ng/ml. Bei zwei von drei Lymphom-Patienten stimmte das Ergebnis der cfDNA-Analyse des Kammerwassers mit dem FACS-Befund aus dem Glaskörper überein. Bei einer weiteren Patientin war die FACS-Analyse negativ, während die cfDNA-Analyse einen positiven, lymphomverdächtigen Befund ergab. Im klinischen Verlauf bestätigte sich der okuläre Lymphombefund durch ein eindeutiges Rezidiv des ZNS-Lymphoms. Die Zeit von der Operation bis zum FACS-Ergebnis betrug 4 Arbeitstage, das Ergebnis der nanoporenbasierten Sequenzierung lag nach 3 Verarbeitungstagen vor (2 Tage Library Präparation, 1 Tag Analyse). Bei 2 von 3 Patienten mit okulärem Lymphom stimmte der Befund der cfDNA-Analyse aus der Vorderkammer mit dem FACS-Ergebnis aus der Glaskörperprobe überein. Die drei Negativkontrollen umfassten Patienten mit therapierefraktärer Vitritis primärer, HSV- bzw. VZV-assoziierter Genese. In allen drei Fällen ordnete die cfDNA-Analyse die Proben eindeutig einer Entzündung zu, während der FACS-Befund teilweise aufgrund von Artefakten nicht beurteilbar war.
Schlussfolgerung: Die diagnostische Kette aus VK, Nanopore-Sequenzierung und KI-basierter Klassifikation stellt einen vielversprechenden, zeiteffizienten minimalinvasiven Ansatz bei Verdacht auf okuläres Lymphom dar, der dem Standardverfahren nicht unterlegen war.



