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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Ist eine routinemäßig durchgeführte Schulterarthroskopie bei der operativen Behandlung von lateralen Klavikulafrakturen gerechtfertigt? Eine retrospektive Analyse über sechs Jahren an einem Trauma-Zentrum der Stufe I

Heinrich Voß - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin gGmbH, Berlin, Deutschland
Georg Osterhoff - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin gGmbH, Berlin, Deutschland; Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Denis Gümbel - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin gGmbH, Berlin, Deutschland; Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin, Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Laterale Klavikulafrakturen erfahren aufgrund ihrer ausgeprägten Instabilität und des erhöhten Risikos einer Pseudarthrosenbildung häufig eine operative Versorgung. Begleitende, insbesondere weichteilige bzw. ligamentäre, intraartikuläre Pathologien des Schulter- oder Akromioklavikulargelenks können jedoch in der präoperativ lediglich mittels Nativröntgen bzw. Computertomographie durchgeführten Bildgebung unerkannt bleiben. Ziel der vorliegenden Studie war es zu untersuchen, ob eine routinemäßig zusätzlich zur offenen Reposition und internen Fixation (ORIF) durchgeführte diagnostische Arthroskopie klinisch relevante Befunde liefert, die ihren Einsatz rechtfertigen.

Material und Methoden: Es erfolgte eine retrospektive Analyse aller Patientinnen und Patienten, die zwischen 2018 und 2024 in einem überregionalen Traumazentrum der Versorgungsstufe I aufgrund einer lateralen Klavikulafraktur (ICD S42.03) behandelt wurden. Hierbei wurden insgesamt 216 Fälle identifiziert.44 erhielten eine isolierte ORIF, bei 18 Patientinnen und Patienten wurde eine ORIF mit einer diagnostischen und/oder therapeutischen Schulterarthroskopie kombiniert. Die Auswertung umfasste ICD- und OPS-Codes hinsichtlich intraartikulärer Befunde sowie begleitender Pathologien der Schulter, die präoperativ nicht detektiert worden waren. Zusätzlich wurden die intraoperativ erhobenen arthroskopischen Befunde systematisch analysiert.

Ergebnisse: Von den 18 arthroskopisch assistierten Eingriffen wiesen etwa ein Drittel zusätzliche intraartikuläre Pathologien mit Behandlungsbedarf auf. Insbesondere zählten hierzu Rotatorenmanschettenrupturen, Labrumläsionen sowie Verletzungen des Akromioklavikulargelenks. Diese Verletzungen waren in der präoperativen Bildgebung nicht detektiert worden, konnten jedoch im Rahmen desselben operativen Eingriffs adressiert werden. Im Vergleich zu den lediglich mittels ORIF versorgten Fällen zeigte sich weder eine in Relation zur neu detektierten Verletzung signifikante Verlängerung der Operationsdauer noch eine Zunahme perioperativer Komplikationen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die arthroskopisch gestützte Mitbeurteilung des Schulter- sowie Akromioklavikulargelenks im Rahmen der operativen Versorgung lateraler Klavikulafrakturen ermöglicht die Identifikation und im selben Eingriff direkte operative Versorgung klinisch relevanter begleitender intraartikulärer Läsionen, die andernfalls möglicherweise unerkannt geblieben wären. Eine generelle routinemäßige Anwendung bei allen Patientinnen und Patienten erscheint jedoch nicht zwingend indiziert. Eine selektive Indikationsstellung bei klinischem Verdacht oder etwa bei Hochenergie-Trauma scheint gerechtfertigt und könnte zu einer Verbesserung der funktionellen Ergebnisse beitragen. Die Erarbeitung entsprechender Kriterien kann Gegenstand einer weiteren Auswertung der vorhandenen Daten sein und muss ggf. prospektiv fortgeführt werden.