Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Konservative Behandlung von Tibiakopffrakturen: Analyse funktioneller Ergebnisse und Komplikationen in zwei Level-1-Traumazentren
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Tibiakopffrakturen stellen komplexe Verletzungen des Kniegelenks dar und machen einen relevanten Anteil gelenknaher Frakturen der unteren Extremität aus. Bei dislozierten und instabilen Frakturen wird üblicherweise eine operative Behandlung angeraten, während nicht oder nur geringfügig dislozierte Frakturen häufig konservativ therapiert werden können. Mehrere Studien zeigen, dass bei geringer Stufenbildung von bis zu 2–4 mm im Gelenk funktionelle Ergebnisse nach konservativer Behandlung denen nach operativen Verfahren vergleichbar sind (1,2). Die Indikationsstellung bleibt jedoch insbesondere bei höhergradigen Frakturen sowie unter Berücksichtigung patientenspezifischer Risikofaktoren Gegenstand anhaltender Diskussionen. Ziel der vorliegenden Studie ist es, Komplikationen und funktionelle Ergebnisse nach primär konservativer Therapie in Abhängigkeit von Frakturmorphologie und klinischen Risikofaktoren in einer multizentrischen Kohorte von zwei Level-1-Traumazentren zu analysieren.
Material und Methoden: Multizentrische, retrospektive Kohortenstudie. Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten im Alter von ≥ 18 Jahren mit primär konservativ behandelten Tibiakopffrakturen im Zeitraum von 2011 bis 2025. Erfasst wurden neben demografischen Parametern der Unfallmechanismus sowie klinische Risikofaktoren. Die Frakturklassifikation erfolgte nach AO/OTA- sowie Schatzker-Kriterien. Primäre Endpunkte waren das Auftreten von Komplikationen (sekundäre Dislokation, Pseudarthrose, Konversion zur operativen Therapie). Sekundäre Endpunkte umfassten funktionelle Ergebnisse, erhoben mittels standardisierter klinischer Scores (Lysholm, KOOS). Die statistische Analyse erfolgte deskriptiv; Gruppenvergleiche wurden mithilfe von t-Tests und χ²-Tests durchgeführt. Das Signifikanzniveau wurde auf p < 0,05 festgelegt.
Ergebnisse: Bislang wurden 193 Patient*innen eingeschlossen. Die Verteilung nach Schatzker-Klassifikation betrug: Typ I n=36 (19,1%), Typ II n=22 (11,7%), Typ III n=116 (61,7%), Typ IV n=10 (5,3%), Typ V n=1 (0,5%) und Typ VI n=3 (1,6%). Erste Analysen zeigen niedrige Komplikationsraten bei niedriggradigen Frakturen (Schatzker I–III). Auch höhergradige Frakturen (Schatzker ≥IV) zeigten sehr niedrige Raten an sekundären Dislokationen oder Konversionen zur operativen Therapie. Die Analyse funktioneller Outcomes und Risikofaktoren wird fortgeführt.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die vorläufigen Ergebnisse sprechen für eine sichere konservative Therapie selektionierter Tibiakopffrakturen. Die Frakturmorphologie scheint ein relevantes Kriterium für die Therapieentscheidung zu sein. Die laufende Analyse wird den Einfluss patientenspezifischer Risikofaktoren und funktioneller Ergebnisse weiter klären. Die Ergebnisse können helfen, Indikationsgrenzen zwischen konservativer und operativer Therapie insbesondere bei höhergradigen Frakturen besser zu definieren



