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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Wie viel Nachsorge benötigt die operativ versorgte Radiusfraktur? Eine retrospektive Analyse

Pauline Boe - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland; Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie, GFO Kliniken Rhein-Berg, Bergisch Gladbach-Bensberg, Deutschland
Wolfgang Lehmann - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland
Hauke Rüther - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, Universitätsmedizin Göttingen, Göttingen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die distale Radiusfraktur stellt die dritthäufigste Fraktur des Erwachsenen dar. Auf Grund der hohen Fallzahl erfordern diese Frakturen in der Nachkontrolle etwaige personelle, logistische wie auch wirtschaftliche Ressourcen. Daher war das Ziel unserer Studie Risikofaktoren und den Zeitpunkt einer sekundären Dislokation zu identifizieren und anhand dessen ggf. eine standardisierte Nachbehandlung unter Anwendung des ALARA-Prinzips zu implementieren.

Material und Methoden: Die Datenerhebung erfolgte retrospektiv für den Zeitraum 2017 bis 2020. Einschlusskriterium war die operative Versorgung mittels winkelstabiler Plattenosteosynthese. Es erfolgten radiologische Messungen der radialen Inklination (RI), volaren Neigung (VN) und der radialen Höhe (RH) zu 3 postoperativen Zeitpunkten (T0 = <7 Tage, T1 = 5-7 Wochen und T2 = 7 Wochen bis 1 Jahr). Hiervon konnten 168 Fälle für die Messung T0 und hiervon 113 für T1 und 55 für T2 eingeschlossen werden. Zunächst wurde die operative Korrektur im Vergleich T0 zur anatomischen Norm und ein sekundärer Korrekturverlust im Vergleich T0 zu T1 und T0 zu T2 bestimmt. Ein Abweichen von der Norm bzw. sekundären Korrekturverlust definierten wir, wie von Haase et al. beschrieben (Haase et al. 2012). Es wurden epidemiologische Daten wie BMI, Trauma-Mechanismus, Dauer zwischen Unfall und Operation, sowie der Schweregrad der Fraktur und das Alter erhoben und zur Dislokation korreliert.

Ergebnisse: Das Kollektiv umfasste 278 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 57,43 Jahren (17–89 Jahre). Die mittlere RI lag zum Zeitpunkt T0 bei 22,1°, T1 bei 22,5° und T2 bei 22,4°. Die mittlere VN betrug 10,4° bei T0, 10,3° bei T1 und 10,2° bei T2. Die mittlere RH betrug 11,5 mm bei T0, 11,6 mm bei T1 und 11,7 mm bei T2. Ein postoperativer Korrekturverlust wurde bei 27 (16,1%) der 168 Patienten festgestellt. Innerhalb dieser Patientengruppe war bei 16,8% der 113 Patienten, die zum Zeitpunkt T1 kontrolliert wurden (N=19), und 14,5% der 55 Patienten, die zum Zeitpunkt T2 kontrolliert wurden (N=8) ein sekundärer Korrekturverlust nachweisbar. Im Vergleich zwischen Patienten mit Korrekturverlust und Patienten ohne postoperativen Korrekturverlust konnte lediglich das Alter der Patienten über 50 Jahre als Risikofaktor für das Auftreten eines postoperativen Korrekturverlustes identifiziert werden (p= 0,026, OR = 1,039, 95% – KI [1,039 – 1,005]). Es bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines postoperativen Korrekturverlustes und einer Einschränkung des Bewegungsumfangs des Handgelenks.

Diskussion und Schlussfolgerung: An Hand der Daten empfehlen wir jüngere Patienten klinisch auf Bewegungseinschränkungen zu untersuchen und bei fehlenden Auffälligkeiten oder postoperativen Komplikationen auf radiologische Verlaufskontrollen bis zur 6. Woche zu verzichten. Über dem 50. Lebensjahr kann eine frühzeitige Röntgenkontrolle sinnvoll sein, um das Auftreten eines postoperativen Korrekturverlustes zu erkennen.