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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Vergleich von T2-Signalintensitätsindex (T2DII) und Pfirrmann-Klassifikation zur Beurteilung lumbaler Bandscheibendegeneration

Tim Victor Mihalache - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Lukas Schoennagel - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Hendrik Schmidt - Julius Wolff Institut, Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Matthias Pumberger - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Pfirrmann-Klassifikation ist der klinische Standard zur MRT-basierten Beurteilung der Bandscheibendegeneration, beruht jedoch auf visueller, morphologischer Bewertung und einer ordinalen Skala. Dadurch lassen sich frühe kompositionelle und signalbasierte Veränderungen nur begrenzt erfassen, insbesondere wenn morphologische Merkmale noch weitgehend erhalten sind. Der T2 Disc Intensity Index (T2DII) ist ein quantitativer Signalindex, definiert als Verhältnis der T2-gewichteten Bandscheibensignalintensität zur Signalintensität des Liquors. Er stellt eine kontinuierliche, objektive Messgröße dar, die degenerative Veränderungen potenziell sensitiver abbilden kann. Ziel dieser Arbeit war der direkte Vergleich von Pfirrmann-Klassifikation und T2DII hinsichtlich der Charakterisierung lumbaler Degeneration sowie ihrer Assoziationen mit klinischen Endpunkten.

Material und Methoden: In einer populationbasierten Querschnittauswertung wurden 577 Teilnehmende mit standardisierter 3,0-Tesla-MRT der Lendenwirbelsäule untersucht. Die Bandscheibendegeneration von L1/2 bis L5/S1 wurde anhand der Pfirrmann-Klassifikation und quantitativ mittels T2DII beschrieben. Die Übereinstimmung beider Maße wurde mit Spearman-Rangkorrelationen untersucht. Multivariable lineare Regressionsmodelle mit T2DII bzw. Pfirrmann als Zielgröße prüften Assoziationen mit Alter, Geschlecht, BMI, Packungsjahre, körperlicher Aktivität, Schmerzintensität und cLBP-Status.

Ergebnisse: Alter war mit beiden Klassifikationen signifikant assoziiert (p < 0,001), wobei der durch Alter erklärte Varianzanteil beim T2DII höher war als bei der Pfirrmann-Klassifikation (partielles η² 0,569 vs. 0,499). Ein höherer T2DII war zusätzlich mit männlichem Geschlecht assoziiert (β = 3,38; p < 0,001; partielles η² = 0,073), während weitere Lebensstil- und schmerzbezogene Variablen in keiner Klassifikation signifikante Zusammenhänge zeigten. Innerhalb identischer Pfirrmann-Kategorien zeigte der T2DII eine ausgeprägte Streuung; diese unterschied sich zwischen den Pfirrmann-Graden 1–5 signifikant (Levene-Test p < 0,001) und war am größten bei Pfirrmann Grad 1 und 2 (Interquartile Range (IQR) L1/2–L5/S1: 22,35–30,46 bzw. 19,16–27,84) (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Abbildung 1

Diskussion und Schlussfolgerung: Der direkte Vergleich von T2DII und Pfirrmann-Klassifikation zeigt, dass ein quantitativer Index aus routinemäßigen T2-gewichteten Sequenzen die konventionelle morphologische Beurteilung sinnvoll ergänzt. Die ausgeprägte Streuung des T2DII innerhalb gleicher Pfirrmann-Grade zeigt, dass morphologisch ähnliche Bandscheiben sich in ihrer zugrunde liegenden Komposition unterscheiden und der T2DII diese Heterogenität erfasst. Der T2DII war zudem stärker altersassoziiert, was die höhere Sensitivität einer kontinuierlichen Signalmessung für degenerative Veränderungen nahelegt. Praktisch könnte T2DII Informationsverluste reduzieren und diskrete Veränderungen früher sichtbar machen als die reine morphologische Beurteilung, wodurch eine verfeinerte Risikostratifikation, Prävention und Therapie ermöglicht werden könnte.