Logo

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Altersadjustierte Normwerte der lumbalen Bandscheibendegeneration nach Pfirrmann und deren Zusammenhang mit chronischen Rückenschmerzen

Tim Victor Mihalache - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Lukas Schoennagel - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Luis Becker - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Lea Cordes - Julius Wolff Institut, Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Hendrik Schmidt - Julius Wolff Institut, Charité Berlin, Berlin, Deutschland
Matthias Pumberger - Julius Wolff Institut Berlin, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie Charité Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Degenerative Veränderungen der lumbalen Bandscheiben sind häufig und altersassoziiert; sie finden sich bei Personen mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (cLBP), treten jedoch ebenso bei beschwerdefreien Personen auf. Somit ist die klinische Einordnung absoluter degenerativer Befunde in der MRT oft erschwert. Ziel dieser Arbeit war es, anhand eines altersabhängigen Vorhersagemodells Normwerte für die erwartete Bandscheibendegeneration in einer schmerzfreien Referenzkohorte abzuleiten und zu untersuchen, ob eine über das alterserwartete Maß hinausgehende Degeneration mit cLBP-Status und Schmerzintensität assoziiert ist.

Material und Methoden: In dieser Querschnittsanalyse wurden 1.180 Teilnehmende (18–72 Jahre). Die lumbale Bandscheibendegeneration wurde mittels standardisierter MRT erhoben und nach Pfirrmann beurteilt (Summenscore L1/2–L5/S1). Altersabhängige Erwartungswerte des Summenscores wurden mittels eines polynomialen Regressionsmodells geschätzt. Gemäß der individuelle Abweichung vom altersadjustierten Erwartungswert wurden die Teilnehmenden über standardisierte Residuen in drei Gruppen klassifiziert (unterhalb, innerhalb, oberhalb des altersadjustierten Erwartungsbereiches; ±1 SD) (Abbildung 1 [Abb. 1]). Die Assoziation mit cLBP wurde mittels multivariabler logistischer Regression, adjustiert für Geschlecht, BMI und Packungsjahre, untersucht.

Abbildung 1

Ergebnisse: Auf Basis der schmerzfreien Referenzkohorte wurde ein altersreferenziertes Normwertgleichung für den Pfirrmann-Summenscore etabliert (s. Abbildung 2 [Abb. 2]). Eine über dem Erwartungsbereich liegende Pfirrmann-Degeneration war im Vergleich zu altersentsprechender Degeneration mit mehr als doppelt so hohen Odds für cLBP assoziiert (Odds Ratio [OR] = 2,25; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,63–3,15; p < 0,001) sowie im Vergleich zu unterhalb des Erwartungswerts liegender Degeneration mit mehr als vierfach höheren Odds (OR = 4,62; 95%-KI 2,62–8,19; p < 0,001). Geschlecht, BMI und Packungsjahre waren nicht signifikant mit cLBP assoziiert. Es zeigte sich keine signifikante Assoziation zwischen Degeneration und Schmerzintensität.

Abbildung 2

Diskussion und Schlussfolgerung: Die altersadjustierte Normmodellierung des Pfirrmann Summenscores liefert einen neuartigen Ansatz für die Beurteilung lumbaler Degeneration, indem sie altersübliche Veränderungen von fortgeschrittener Degeneration abgrenzt und damit die Einordnung der Degenerationsschwere über verschiedene Altersbereiche hinweg verbessert. Klinisch könnte ein altersreferenziertes Maß die Befundung standardisieren, Kommunikation verbessern sowie die Abhängigkeit von subjektiver, erfahrungsbasierter Interpretation reduzieren.