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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Longitudinalstudie zum ton- und sprachaudiometrischen Hörvermögen der erwachsenen Allgemeinbevölkerung

Annika Beyer - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland
Petra von Gablenz - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland
Thomas Brand - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland
Inga Holube - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland

Text

Die Verschlechterung des Hörvermögens mit zunehmendem Alter ist ein bekanntes Phänomen. Aber welche Effekte führen dazu, dass sich das Hören verschlechtert? Sind es eher allgemeine Effekte wie die Alterung oder sind es individuelle Effekte wie Lärmexposition oder Ohrerkrankungen? Welche Prädiktoren können die Veränderungen des Hörvermögens mit der Zeit voraussagen?

Um diesen Fragen nachzugehen, wurden im Rahmen des Projekts ALLSTAT die von 2010 bis 2012 im Vorgängerprojekt HÖRSTAT [1] bereits untersuchten Proband_innen wieder eingeladen. Von den 1.903 Teilnehmenden in HÖRSTAT konnten 604 Proband_innen im Alter von 31 bis 85 Jahren für die Teilnahme an ALLSTAT gewonnen werden. Das mittlere Alter lag beim Messzeitpunkt ALLSTAT bei 62,5 Jahren mit einer Standardabweichung von 11,9 Jahren. In dieser Arbeit wurde die Veränderung des tonaudiometrischen Hörvermögens und des monauralen Sprachverstehens im stationären Störgeräusch mit dem Göttinger Satztest innerhalb von 13 Jahren ermittelt und bezüglich möglicher Prädiktoren, die im Rahmen eines Interviews abgefragt wurden, analysiert.

Der über die Frequenzen 500 Hz, 1 kHz, 2 kHz und 4 kHz gemittelte Hörverlust (PTA4) wurde nach der WHO-Klassifizierung [2] bewertet. Während die Prävalenz für eine Schwerhörigkeit (PTA4 ≥ 20 dB HL) unter den 604 Erwachsenen zum Messzeitpunkt von HÖRSTAT noch bei 10,1% lag, stieg sie im Beobachtungszeitraum von 13 Jahren auf 32,6%. Die kumulative Inzidenz lag auf dem besseren Ohr bei 25,6% und auf dem schlechteren Ohr bei 31,6%. Die kumulative Inzidenz lag für die in HÖRSTAT 18–29-Jährigen noch bei 2,6% und stieg in der Gruppe der 40–49-Jährigen bereits auf 18,2%. In der Altersgruppe der 60–69-Jährigen kam es erneut zu einer deutlichen Erhöhung der Inzidenz auf 62,8% für das bessere Ohr. Auch bei der monauralen Messung des GÖSA auf dem besseren Ohr ließ sich eine mittlere Verschlechterung von 0,68 dBSNR zwischen den beiden Messzeitpunkten über die gesamte Stichprobe beobachten.

Für die Ermittlung potenzieller Prädiktoren für Schwerhörigkeit wurden im Interview Lärmexposition und Ohrerkrankungen erfragt. Ein Effekt von Lärm ließ sich weder für die Lärmexposition im Beruf noch für die Lärmexposition in der Freizeit zeigen. Auch die Angaben zu Ohrerkrankungen wie Mittelohrentzündungen, Hörsturz und Ohroperationen zeigten keine statistisch signifikanten Effekte. Die Geschlechtszugehörigkeit hatte keinen statistisch signifikanten Einfluss.


Literatur

[1] von Gablenz P, Holube I. Prävalenz von Schwerhörigkeit im Nordwesten Deutschlands : Ergebnisse einer epidemiologischen Untersuchung zum Hörstatus (HÖRSTAT) [Prevalence of hearing impairment in northwestern Germany. Results of an epidemiological study on hearing status (HÖRSTAT)]. HNO. 2015 Mar;63(3):195-214. German. DOI: 10.1007/s00106-014-2949-7
[2] Holube I, Dziemba O, Fedtke T, Hoth S, Michel O, Neumann K, Rahne T, Veraguth D, von Gablenz P, Wesarg T, Baljić I. Die WHO-Klassifikation von Hörverlusten : Ein Konsens zu einer deutschen Fassung [The WHO grades of hearing loss : A consensus on the German version]. HNO. 2024 Aug;72(8):561-564. German. DOI: 10.1007/s00106-024-01494-z