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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Das Projekt HearAllAges – eine Mixed-Methods Untersuchung der Versorgungs- und Lebenssituation von Menschen mit Schwerhörigkeit in allen Altersgruppen

Carolin Gravel - Universität Duisburg-Essen, Institut für Sonderpädagogik – AG Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, Essen, Deutschland
Elena Pützer - Universität Duisburg-Essen, Institut für Sonderpädagogik – AG Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, Essen, Deutschland
Jasmin Filip - Universität Duisburg-Essen, Institut für Sonderpädagogik – AG Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, Essen, Deutschland
Heike van de Sand - Uniklinik Köln, PMV forschungsgruppe, Köln, Deutschland
Jingyue Maeder-Qian - Uniklinik Köln, PMV forschungsgruppe, Köln, Deutschland
Ingo Meyer - Uniklinik Köln, PMV forschungsgruppe, Köln, Deutschland
Natalie Tutzer - TAKEPART Media + Science GmbH, Köln, Deutschland
Ursula Marschall - BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung, Berlin, Deutschland
Karolin Schäfer - Universität Duisburg-Essen, Institut für Sonderpädagogik – AG Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, Essen, Deutschland

Text

Hintergrund: Die frühe Diagnose und Versorgung von Schwerhörigkeit sind in allen Altersgruppen relevant. Erworbene Schwerhörigkeiten werden häufig spät erkannt und es gibt eine hohe Dunkelziffer an Personen, die nicht diagnostiziert und nicht versorgt sind [1]. Hörversorgungen haben jedoch nachweislich einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität von Betroffenen [2]. Mit der Einführung des Neugeborenenhörscreenings im Jahr 2009 wurde eine wichtige Voraussetzung für die Früherkennung von angeborenen Schwerhörigkeiten geschaffen. Versorgungen im Kindesalter erfolgen allerdings nicht immer direkt nach der Geburt, sondern am häufigsten im Alter von 4–6 Jahren [3]. Das Projekt HearAllAges widmet sich Fragen zur Versorgungs- und Lebenssituation von Menschen mit Schwerhörigkeit in allen Altersgruppen.

Forschungsdesign: Die Studie ist als mixed-methods Erhebung konzipiert. Alle Projektarbeiten erfolgen unter Einbeziehung relevanter Stakeholder über einen Projektbeirat. Zum einen wird eine retrospektive Auswertung von Sekundärdaten der gesetzlichen Krankenkasse BARMER und der Deutschen Rentenversicherung vorgenommen. Zum anderen wird eine Primärerhebung unter ca. 20.000 Versicherten mit und ohne Schwerhörigkeit (bzw. der Erziehungsberechtigten bei Nicht-Volljährigen) mithilfe einer Fragebogenerhebung durchgeführt. Diese wird durch qualitative Experteninterviews mit Förderschullehrkräften sowie medizinischem Personal zum Thema Spät- und Unterversorgung bei Kindern ergänzt.

Methoden: Auf Grundlage von Krankenkassendaten wird zunächst ermittelt, wie häufig Schwerhörigkeiten diagnostiziert und Hörhilfen verordnet werden. Eine Befragung von Personen (1) ohne Diagnose einer Schwerhörigkeit, (2) mit einer diagnostizierten Schwerhörigkeit ohne Hörhilfenversorgung sowie (3) mit Hörhilfenversorgung soll weitere Aufschlüsse über Versorgungslücken, die Versorgungszufriedenheit und den Einfluss der Hör- und Versorgungssituation auf verschiedene Lebensbereiche geben. Dazu werden Fragen zu Symptomen, der Diagnose und Versorgung der Schwerhörigkeit gestellt. Je nach Altersgruppe werden spezifische Lebensbereiche in den Fokus gerückt, z.B. der Einfluss der Schwerhörigkeit auf den schulischen oder beruflichen Werdegang oder den Renteneintritt. Bei Einwilligung der Teilnehmenden werden die Ergebnisse der Sekundärdatenanalyse und der Fragebogenerhebung miteinander verknüpft und ausgewertet.

Ausblick: Erste Zwischenergebnisse des Projektes beinhalten eine Falldefinition und vorläufige Auswertungen der Fallzahlen in den BARMER-Daten, sowie ein gemeinsam mit dem Beirat entwickelter Fragebogen und Interviewleitfaden. Nach Abschluss des Projekts sollen Versorgungslücken sowie Verbesserungsmöglichkeiten für das Erkennen und die Versorgung von Schwerhörigkeit identifiziert werden. Begleitend wird eine Internetseite entwickelt, die Betroffene, Angehörige und Versorgende aktiv an der Studie und ihren Ergebnissen beteiligt und neutral zum Thema Schwerhörigkeit informiert.


Literatur

[1] Löhler J, Walther LE, Hansen F, Kapp P, Meerpohl J, Wollenberg B, Schönweiler R, Schmucker C. The prevalence of hearing loss and use of hearing aids among adults in Germany: a systematic review. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2019 Apr;276(4):945-956. DOI: 10.1007/s00405-019-05312-z
[2] Zahl SM. Effects of Receiving Hearing Aids on Health-Related Quality of Life in Adults With Mild Hearing Loss. J Audiol Otol. 2023 Jan;27(1):24-29. DOI: 10.7874/jao.2022.00227
[3] Pützer E, van de Sand H, Filip J, Schubert I, Marschall U, Meyer I, Schäfer K. Provision of hearing technology in children and adolescents with permanent hearing loss in Germany. HNO. 2025 Dec;73(Suppl 3):397-403. DOI: 10.1007/s00106-025-01617-0