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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Der Nutzen von erweiterten Hörscreening mittels intraoperativen diagnostischen akustisch evozierten Hirnstammpotentialen während Gaumenspaltenoperationen

Christof Stieger - Universität Basel, Department Biomedical Engineering, Basel, Schweiz; Universitätsspital Basel, HNO Klinik, Basel, Schweiz
Yoriko Lill - Universitätsspital Basel, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Basel, Schweiz
Wanda Cespedes - Universitätsspital Basel, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Basel, Schweiz
Katharina Leitmeyer - Universitätsspital Basel, HNO Klinik, Basel, Schweiz
Natalia Eckstein - Universitätsspital Basel, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Basel, Schweiz
Nicolas Gürtler - Universitätsspital Basel, HNO Klinik, Basel, Schweiz
Benito Benitez - Universität Basel, Department Biomedical Engineering, Basel, Schweiz; Universitätsspital Basel, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Basel, Schweiz
Andreas Müller - Universität Basel, Department Biomedical Engineering, Basel, Schweiz; Universitätsspital Basel, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Basel, Schweiz

Text

Einleitung: Für den Ablauf des beidseitigen Hörscreenings wurden in der Schweiz von den Pädaudiologen zusammen mit den Neonatologen und Pädiatern ein Leitfaden entwickelt [1]. Ob Säuglinge mit orofazialen Spalten die Kriterien für die Risikogruppe erfüllen, ist darin nicht definiert. Da unabhängig vom initialen Hörscreening eine Operation zur Schliessung der Gaumenspalte durchgeführt wird, bietet sich eine diagnostische Hirnstammaudiometrie (BERA) während dieser Narkose an.

Methoden: Diese retrospektive Kohortenstudie bewertete die Notwendigkeit einer diagnostischen BERA bei Säuglingen mit Gaumenspalte mit oder ohne Lippenspalte(n), Kieferspalte(n), indem sie die Veranlagung für eine angeborenen Hörbeeinträchtigung und die Diagnose derselben untersuchte. Es wurden Daten von 122 Patienten ausgewertet, die in einem Universitären Lippen-Kiefer-Gaumenspalten Zentrum behandelt wurden. Die BERA wurde zum Zeitpunkt der Gaumenrekonstruktion im Alter von 4 bis 6 Monaten durchgeführt. Die klinische Nachbeobachtung wurde bis zum 4. Lebens-Jahr analysiert. Das Vorliegen eines Syndroms wurde als Risikofaktor für angeborene Hörbeeinträchtigungen untersucht.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Von den 122 Patienten hatten vier eine angeborene sensorineurale oder gemischte Hörminderung, die Hörgeräte erforderte. Alle betroffenen Patienten hatten zusätzlich zur Spalte Syndrome. Die meisten Patienten mit erhöhten Hörschwellen hatten eine vorübergehende Schallleitungs-Schwerhörigkeit, welche mit der Mittels-Parazentese oder durch die Einlage eines Paukenröhrchens behandelt wurden. Die meisten Verdachtsfälle von sensorineuralem Hörverlust, die ursprünglich diagnostiziert worden waren, wurden widerlegt. Allerdings wurde eine höhere Inzidenz von sensorineuralem Hörverlust bei Patienten mit syndromalen Gaumenspalten festgestellt, was die diagnostische Verwendung von BERA bei der Erstoperation nur bei Patienten mit syndromalen Gaumenspalten unterstützt.

Fazit: Der Vorteil eines schlafenden Kindes während der Spaltenoperation wird an unserer Institution weiterhin genützt. Die Untersuchung wird aber von der diagnostischen auf eine intraoperative Screening-ERA reduziert, welche von einer instruierten, nicht audiologischen Fachperson nach erfolgtem Gaumenverschluss durchgeführt wird.


Literatur

[1] Audiologische Kommission der SGORL. Empfehlung zum Ablauf des Neugeborenen-Hörscreening in der Schweiz bei frühgeborenen oder termingeborenen Kindern ohne Risikofaktoren für Hörminderung. 2019. Verfügbar unter: https://www.orl-hno.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/Fuer_Patienten/Informationen_Links/20191211_Infoblatt_Ho__rscreening_Schweiz_deutsch_franzosisch_italienisch.pdf