Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Remote Care in der Cochlea-Implantat-Nachsorge: Bedarf und Vergleich von Vor-Ort- und App-basierter Fernanpassung
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Einleitung: App-basierte Fernanpassungen eröffnen in der Cochlea-Implantat (CI) Nachsorge neue Möglichkeiten, darunter Echtzeit-Anpassungen, Implantat- und Sprachprozessorchecks sowie Hörkontrollen per Smartphone-App. Die Studie untersucht herstellerunabhängig den Bedarf an Remote Care aus Sicht von CI-Tragenden. Analysiert wird, welche Aspekte in der Nachsorge wichtig sind, welche Argumente für oder gegen Remote Care sprechen und welche Funktionen CI-Tragende nutzen würden. Ein weiteres Ziel war es, die Vergleichbarkeit von App-basierten Fernanpassungen mit Vor-Ort-Anpassungen hinsichtlich objektiver und semiobjektiver Parameter sowie der subjektiven Zufriedenheit CI-Tragender zu prüfen.
Methoden: Im ersten Teil der Studie wurde im Dezember 2024 mithilfe eines selbst entwickelten Fragebogens der Bedarf an Remote Care im Hörzentrum Hagen-Südwestfalen ermittelt. Insgesamt wurden 86 Antworten in die Auswertung miteinbezogen. Im zweiten Teil nahmen 21 CI-Tragende teil, mit denen jeweils eine Vor-Ort- und eine Fernanpassung durchgeführt wurde. Für Personen mit einem Implantat von Advanced Bionics kamen die Anwendungen AB Remote Support und AB Listen Fit zum Einsatz, für Cochlear-Nutzende Remote Check und Remote Assist. Anschließend wurden Impedanzwerte, ECAP-Schwellenwerte, C-/M- und T-Level, die Anpassungsdauer, Ergebnisse verschiedener Hörkontrollen sowie die subjektive Bewertung der Anpassungsmethoden per Fragebogen dokumentiert.
Ergebnisse: Die Auswertung der Befragung zeigt, dass 64,3 % der Teilnehmenden Remote Care nutzen würden („Ja“ bzw. „Eher ja“). Zudem erfüllen 82,6 % durch ihre regelmäßige Smartphone-Nutzung die grundlegende Voraussetzung dafür. Als stärkstes Argument gegen Remote Care wurde im Median der fehlende persönliche Kontakt genannt, während ein Großteil der Befragten die Zeitersparnis als zentralen Vorteil hervorhob. Die Ergebnisse des zweiten Studienteils zeigten teilweise herstellerspezifische Unterschiede: Bei einem Hersteller traten signifikante Abweichungen in den ECAPs und T-Leveln auf, bei dem anderen in den Impedanzen und der Anpassungsdauer. Die semiobjektiven Hörkontrollen ergaben, mit Ausnahme der durch die App erhobenen Aufblähkurve, keine signifikanten Unterschiede. Auch die subjektiven Bewertungen unterschieden sich nicht zwischen den Anpassungsmethoden.
Diskussion: Insgesamt zeigt die Mehrheit der Befragten ein Interesse an Remote Care. Dennoch wird der persönliche Kontakt zum Fachpersonal weiterhin als wichtig erachtet. Die App-basierte Fernanpassung erweist sich trotz einzelner Abweichungen als durchführbar, effizient und von CI-Tragenden ebenso positiv bewertet wie die Vor-Ort-Anpassung. Sie stellt im Rahmen der digitalen Gesundheitsversorgung eine vielversprechende Ergänzung zur konventionellen CI-Nachsorge dar und könnte in Teilbereichen die herkömmliche Versorgung sogar ersetzen.



