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Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie


18.-19.06.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Fallbericht: Gleichzeitiges Auftreten von Porphyria variegata und hypokaliämischer periodischer Paralyse bei rezidivierenden neuromuskulären Symptomen

K. Yaqubi - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Düsseldorf, Deutschland
C. De Angelis - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Düsseldorf, Deutschland
T. Lüdde - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Düsseldorf, Deutschland
P. May - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Düsseldorf, Deutschland
S. vom Dahl - Universitätsklinikum Düsseldorf, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, Düsseldorf, Deutschland

Text

Hintergrund und Ziel: Die Porphyria variegata (VP) und die hypokaliämische periodische Paralyse (HypoPP) sind zwei seltene, genetische Erkrankungen mit episodischen neuromuskulären Manifestationen. Die VP, eine akute hepatische Porphyrie infolge pathogener PPOX-Varianten, tritt in Europa mit einer Prävalenz von ca. 3,2 Fällen pro 1.000.000 Einwohner auf und zeigt eine variable Penetranz und Klinik mit neuroviszeralen und teils kutanen Symptomen. Die HypoPP, meist verursacht durch pathogene CACNA1S-Varianten, ist eine autosomal-dominante Kanalopathie mit einer Prävalenz von ca. 1 pro 100.000 Personen und charakterisiert durch Episoden schlaffer Paresen im Zusammenhang mit Hypokaliämie. Da sich beide Erkrankungen mit episodischen neuromuskulären Beschwerden präsentieren können, stellen sie insbesondere bei gleichzeitigem Auftreten eine diagnostische Herausforderung dar.

Methode: Wir berichten über den klinischen Verlauf einer Patientin (geb. 1975) mit langjährig intermittierenden Schmerzen sowie Muskelschwäche. Eine genetische Untersuchung 04/2023 ergab den Nachweis einer pathogenen PPOX-Variante (p.Leu291Pro) und bestätigte die Diagnose einer VP. Im 02/2024 wurde zusätzlich ein pathogener CACNA1S-Frameshift (Gly1514Argfs*3) identifiziert, womit auch HypoPP diagnostisch gesichert wurde.

Ergebnis: Die Patientin war aufgrund vermeintlich muskuloskelettaler Schmerzen u.a. interventionell behandelt worden (bspw. Kryodenervation). Nach Diagnose einer VP erlitt sie wiederholt akute Attacken, die mit Glukose- bzw. Hämingaben behandelt wurden. Diese führten jedoch häufig zu Hypokaliämien und paralytischen Episoden, die retrospektiv der HypoPP zuzuordnen waren. Trotz biochemischen Ansprechens auf Givosiran (Normalisierung der Aminolävulinsäure- und Porphobilinogen-Ausscheidung im Urin) persistierten intermittierende neurologische Symptome, die nicht mit einer fortbestehenden Porphyrieaktivität vereinbar waren. Dies führte zur Diagnose einer zweiten seltenen Erkrankung, der HypoPP. Die Therapie wurde entsprechend um Eplerenon ± Kalium zur Behandlung der HypoPP ergänzt, was zu einer besseren Kontrolle der paralytischen Episoden führte.

Zusammenfassung: Der Fall verdeutlicht, dass seltene genetische Erkrankungen koexistieren und sowohl therapeutisch als auch pathophysiologisch miteinander interagieren können. Persistierende oder atypische neurologische Symptome trotz adäquater Kontrolle der VP sollten Anlass geben, alternative oder zusätzliche Diagnosen wie eine HypoPP zu erwägen.