Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
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HBV/HDV in Deutschland: 18-Jahres-Trends der stationären Komplikationslast und Krankenhausmortalität
Text
Hintergrund und Ziel: Die Hepatitis-D-Virus (HDV)-Koinfektion bei chronischer Hepatitis B (HBV) zählt zu den aggressivsten Formen der Virushepatitis. Nationale Langzeitdaten zur stationären Krankheitslast und zur zeitlichen Entwicklung schwerer Komplikationen sind für Deutschland begrenzt. Ziel war es, HBV/HDV-kodierte Hospitalisierungen über 18 Jahre zu charakterisieren sowie Komplikationsmarker und Krankenhausmortalität im Zeitverlauf zu beschreiben.
Methode: Wir analysierten bundesweite, standardisierte DRG-Entlassungsdaten aus deutschen Krankenhäusern für den Zeitraum 2005–2022. Eingeschlossen wurden Hospitalisierungen mit ICD-10-GM B18.0 (chronische Virushepatitis B mit Delta-Agent) als Haupt- oder Nebendiagnose. Erfasst wurden demografische Merkmale (Alter, Geschlecht), Verweildauer (<10 vs. ≥10 Tage) sowie relevante Komplikationscodes, darunter Leberversagen, Aszites, spontane bakterielle Peritonitis (SBP), Ösophagusvarizen, hepatorenales Syndrom (HRS) und acute respiratory distress syndrome (ARDS). Zeitliche Trends wurden deskriptiv über die Jahre dargestellt.
Ergebnis: Zwischen 2005 und 2022 wurden insgesamt 5.504 HBV/HDV-kodierte Hospitalisierungen identifiziert. 49% der Fälle betrafen Frauen; 31,3% der Patient:innen waren ≥50 Jahre alt. Eine Verweildauer ≥10 Tage lag bei 49% der Hospitalisierungen vor. Die Krankenhausmortalität betrug 19,6% (n=1.081). Häufig dokumentierte Komplikationsmarker waren Leberversagen (46,9%), Aszites (21,1%), SBP (20,7%), ARDS (20,3%) und HRS (8,4%). Im Gegensatz dazu wurden Fibrose- (3,7%) und Zirrhose-Diagnosen (2,5%) selten kodiert. Im Verlauf zeigten sich zunehmende Anteile von Dekompensationsmarkern (insbesondere Leberversagen) sowie ein deutlicher Anstieg von Aszites-Kodierungen ab etwa 2010, während die Mortalität über die Jahre insgesamt stabil bis schwankend blieb.
Zusammenfassung: HBV/HDV-Hospitalisierungen sind in Deutschland mit einer hohen stationären Komplikationslast und relevanter Krankenhausmortalität verbunden. Routinedaten eignen sich zur nationalen Surveillance von Dekompensationsereignissen und deren zeitlicher Entwicklung. Strukturelle Stadien wie Fibrose/Zirrhose erscheinen in administrativen Codes jedoch unterrepräsentiert und sollten bei der klinischen Interpretation vorsichtig bewertet werden. Die Ergebnisse unterstützen eine konsequente HDV-Diagnostik bei HBsAg-positiven Patient:innen und eine frühzeitige Anbindung an spezialisierte Versorgung, um Dekompensationen zu verhindern.



