Viszeralmedizin NRW 2025. 191. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie in Nordrhein-Westfalen
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Transglutaminase 2 als Schlüsselprotein: Ein synergistischer Therapieansatz mit Sorafenib beim hepatozellulären Karzinom
2Dr. Senckenberg Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt am Main, Deutschland
3Universitäres Tumorzentrum (UCT) Frankfurt, Frankfurt am Main, Deutschland
4Chirurgische Klinik, Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum, Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland
5Frankfurt Cancer Institute, Frankfurt am Main, Deutschland
Text
Hintergrund: Transglutaminase 2 (TGM2) ist ein multifunktionales Enzym mit dualer Funktion als Transamidase und G-Protein. TGM2 spielt eine Schlüsselrolle in krebsassoziierten Prozessen wie Zellüberleben, Angiogenese, Invasion und Metastasierung. Im Hepatozellulären Karzinom (HCC) wird eine erhöhte TGM2-Expression mit frühen Rezidiven, der Entwicklung von Medikamentenresistenzen sowie dem Auftreten von Metastasen in Verbindung gebracht. Erste TGM2-Inhibitoren befinden sich bereits in klinischen Prüfungsphasen für die Behandlung der Zöliakie. Trotz dieser Erkenntnisse bleibt das therapeutische Potenzial von TGM2-Inhibitoren im HCC weitgehend unerforscht.
Material und Methoden: Die TGM2-Proteinxpression und enzymatische Aktivität wurden in drei HCC-Zelllinien (HepG2, Huh7, SK-Hep-1) bestimmt. Niedermolekulare TGM2-Inhibitoren (ZDON und LDN27219) wurden eingesetzt, um deren Effekte auf die Zellexpansion und Apoptose zu analysieren. Apoptose-assoziierte Proteine wurden mittels Proteome Profiler Apoptosis Array identifiziert und mittels Western-Blot-Analysen validiert. Zudem untersuchten wir die synergistischen Effekte einer Kombination von TGM2-Inhibitoren mit Sorafenib auf die Zellexpansion und Apoptose. Immunhistochemische Färbungen an Tissue Microarrays (TMA) mit Proben von insgesamt 152 HCC-Patienten ermöglichten die Evaluierung der Korrelation zwischen der TGM2-Expression und klinischen Parametern.
Ergebnisse: In allen untersuchten HCC-Zelllinien wurden eine TGM2-Expression sowie enzymatische Aktivität nachgewiesen, wobei die höchsten Werte in der Zelllinie SK-Hep-1 beobachtet wurden. Die pharmakologische Hemmung von TGM2 führte zu einer signifikanten Reduktion der Zellexpansion durch eine Induktion der Apoptose. Die Proteome-Analyse zeigte eine Hochregulation pro-apoptotischer Proteine wie FAS, FADD und TRAIL-R2 sowie eine Herunterregulation des anti-apoptotischen Proteins HSP29, was durch Western-Blot-Analysen bestätigt wurde. Die Kombination von TGM2-Inhibitoren mit Sorafenib verstärkte synergistisch die Apoptose durch Aktivierung des FAS/FADD/TRAIL-R2-Signalwegs. Immunhistochemische Färbungen zeigten, dass Patienten mit hohen TGM2-Expressionsleveln häufiger Tumorrezidive entwickelten. Zudem korrelierte eine starke TGM2-Expression mit fortgeschrittenen Tumorstadien sowie einem schlechteren Gesamt- und rezidivfreien Überleben.
Schlussfolgerung: Unsere Daten zeigen, dass die pharmakologische Hemmung von TGM2 die Zellexpansion in HCC-Zelllinien signifikant reduziert und die antiproliferative Wirkung von Sorafenib synergistisch verstärkt. Eine starke TGM2-Expression korreliert mit einer schlechten Prognose in HCC-Patienten. Diese Erkenntnisse stellen TGM2 sowohl als vielversprechendes therapeutisches Ziel als auch als prognostischen Marker im HCC dar.



