75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte
75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte
Bedeutung der Liquordynamik bei der Pathophysiologie von Sehstörungen
Text
Hintergrund und Ziel: Die Liquor-Dynamik, als fundamentale Eigenschaft des zentralen Nervensystems (ZNS) beeinflusst vielseitige Gehirnfunktionen. Die Liquor-Abflussstörung spielt bei beinahe allen pathologischen ZNS-Prozessen eine Rolle. Sie kann neuroophthalmologische Symptome einschließlich Sehstörung bis hin zu Erblindung verursachen. Deshalb sollen hier einige ihrer Grundprinzipien angesprochen werden.
Methoden: Am Beispiel eines 11 Monate alten Säuglings mit progredientem Entwicklungsrückschritt, plötzlicher Augenmotilitätsstörung und einer Zyste des 3. Ventrikels werden Symptomatik, die erforderliche Diagnostik und insbesondere die Bildgebung aus der Sicht der Neuroophthalmologie und der minimalinvasiven Neurochirurgie (MIN) veranschaulicht. Pathophysiologische Mechanismen einer chronischen, schließlich dekompensierenden Liquor-Dynamikstörung werden dargestellt.
Ergebnisse: Nach neuroendoskopischer Fensterung der Zyste und intraoperativer Diagnosestellung einer inkompletten Aquädukt-Stenose zeigte sich eine sehr gute neuroophthalmologische und pädiatrische Entwicklung, bei im MRT sichtbarer Normalisierung der Liquor-Dynamik. Im Verlauf fanden sich aber Hinweise auf residuale Kompressionszeichen im RNFL.
Schlussfolgerung: Die Liquor-Dynamikstörung sollte bei komplexen neuroophthalmologischen Symptomen als mögliche pathophysiologische Ursache in Betracht bezogen werden. Die enge interdisziplinäre, diagnostische und therapeutische Zusammenarbeit von Pädiatrie, Neuroophthalmologie, Neuroradiologie und MIN ist unabdingbar.



