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75. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte


05.-06.06.2026
Hamburg

Meeting Abstract

Mikro- und Nanoplastik im und am Auge: okulare Expositionspfade, toxikologische Wirkmechanismen und gesundheitliche Konsequenzen

Kazim Hilmi Or - Hamburg

Text

Hintergrund: Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNPs) haben sich als allgegenwärtige Umweltkontaminanten mit nachgewiesenen toxischen Effekten auf verschiedene menschliche Gewebe herausgestellt. In jüngerer Zeit wurde das Auge zunehmend als vulnerables Organsystem identifiziert; MNPs konnten in okulären Medien wie Tränenflüssigkeit, Meibum und Glaskörper nachgewiesen werden. Aufgrund der anatomischen Exposition des Auges gegenüber der Umwelt sowie seiner immunologischen Sensibilität wächst die Besorgnis hinsichtlich möglicher nachteiliger Auswirkungen von MNPs auf die okuläre Gesundheit.

Methoden: Es wurde eine narrative Literaturübersicht durchgeführt. Peer-Review-veröffentlichte Studien aus den Jahren 2020 bis 2025 wurden systematisch aus den Datenbanken PubMed, Scopus und Web of Science unter Verwendung definierter Suchbegriffe wie „microplastics“, „nanoplastics“, „ocular toxicity“, „retina“, „ocular surface“ und „eye“ erfasst. Eingeschlossen wurden Studien, die sich mit der Exposition gegenüber MNPs im okulären Gewebe befassten, biologische Wirkmechanismen untersuchten oder analytische Nachweise von MNPs in augenbezogenen Proben lieferten. Zur umfassenden Darstellung wurden sowohl in vitro- und in vivo-Studien als auch experimentelle Studien an Tieren und Beobachtungsstudien am Menschen berücksichtigt.

Ergebnisse: Die Ergebnisse belegen das Vorkommen von MNPs in kommerziellen ophthalmologischen Produkten, insbesondere in Augentropfen, sowie in menschlicher Tränenflüssigkeit, Meibum, Kammerwasser und Glaskörperproben. Am häufigsten identifizierte Polymere waren Polyethylen und Polystyrol. Quellen der okulären Exposition umfassen luftgetragene Partikel, kosmetische Produkte und Verpackungsmaterialien. Experimentelle Studien berichten über eine durch MNPs induzierte Zytotoxizität in Hornhaut- und Netzhautzellen, die sich durch oxidativen Stress, mitochondriale Fragmentierung, Apoptose und entzündliche Signalwege äußert. Tiermodelle zeigen, dass eine maternale Exposition gegenüber Nanoplastik die Entwicklung und Funktion der Netzhaut beim Nachwuchs beeinträchtigen kann. Darüber hinaus weisen Studien auf eine Störung der Blut-Retina-Schranke sowie auf Veränderungen des visuellen Verhaltens bei exponierten Organismen hin.

Schlussfolgerung: Mikro- und Nanoplastik stellen einen neuartigen Risikofaktor für die okuläre Gesundheit dar, wobei sowohl akute als auch langfristige Toxizität vermutet wird. Obwohl Fortschritte bei Nachweismethoden und dem Verständnis toxikologischer Mechanismen erzielt wurden, bestehen weiterhin erhebliche Wissenslücken hinsichtlich Expositionsgrenzwerten, chronischer Effekte und kumulativer Schäden. Es besteht dringender Bedarf an standardisierten Nachweisverfahren, regulatorischer Kontrolle ophthalmologischer Formulierungen und gezielter Forschung zur umfassenden Bewertung der Vulnerabilität des Auges gegenüber MNPs.