52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
An Urge to Act in Österreich: Aktuelle Versorgungssituation von Patient:innen mit (Neurogener) Blasenfunktionsstörung
Text
Einleitung: Die schon bestehende Versorgungslücke bei Blasenfunktionsstörungen wurde während der COVID-19-Pandemie aggraviert. Die Initiative UrgeToAct der EAU soll dazu dienen das Bewusstsein für die Erkrankung und die damit verbundene (sozioökonomische) Belastung zu verbessern. Die aktuelle Studie evaluierte die derzeitige Versorgungssituation von Patient:innen mit Blasenfunktionsstörungen in Österreich.
Methodik: Eine Umfrage mit 31 Fragen über die vorhandenen diagnostischen Möglichkeiten, die Wartezeiten und die Versorgungskapazitäten wurde an 652 Mitarbeiter:innen urologischer Einrichtungen in Österreich versandt (Mai bis September 2025).
Ergebnisse: 222 der 652 Adressierten antworteten (Antwortrate 34,1%). Davon waren 61% in Krankenhäusern tätig, 37% im niedergelassenen Bereich und 2% in anderen Instituten. Insgesamt wurden Daten von 60 verschiedenen Institutionen eingeschlossen. Die Teilnehmer:innen waren dabei über alle Bundesländer verteilt. 183 (82,4%) der Antwortenden bieten eine Versorgung für Patient:innen mit Blasenfunktionsstörungen an. Die Durchschnittliche Wartezeit auf einen Ambulanztermin und OP in diesem Zusammenhang waren 3 und 4,7 Monate. Insgesamt 56,9% der Institutionen bieten invasive Urodynamiken an und 124 (67,8%) der Antwortenden führen invasive Urodynamiken durch. Die durchschnittliche Wartezeit für eine invasive Urodynamik lag bei 3,9 Monaten (46,8% 3-6 Monate; 32% 1–2 Monate). Hauptgründe für das fehlende Angebot invasiver Urodynamiken waren Kosten (60,7%), fehlendes Equipment (60,7%) und Personalmangel (21.4%).
Schlussfolgerung: Die Qualität der aktuellen Versorgung von Patient:innen mit Blasenfunktionsstörungen in Österreich wurde im Durchschnitt mit ausreichend bewertet. Die Ressourcenverteilung ist regional unterschiedlich und zeigt teilweise relativ lange Wartezeiten und geringe Kapazitäten. Die Ergebnisse verdeutlichen die Dringlichkeit für eine strukturierte Verbesserung, bessere Ressourcenverteilung und den Ausbau spezialisierter Zentren um eine gute Patient:innenversorgung zu sichern.



