66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Künstliche Harnröhrensphinktersysteme bei Männern im Rahmen der Therapie von Belastungsinkontinenz: Analyse der Machbarkeit und Sicherheit einer Teilexplantation
Text
Einleitung: Seit den 1970er Jahren gilt die Implantation artifizieller Harnröhrensphinkter als etablierte Therapieoption der Belastungsinkontinenz. Der Umgang mit Komplikationen wie funktionelle Defekte der Implantate, Arrosionen oder Infektionen stellt eine Herausforderung dar. Zur Teilexplantation gibt es keine hinreichende Evidenz.
Methode: Es erfolgt die retrospektive Analyse aller Implantationen, Revisionen und (Teil-) Explantationen artifizieller Harnröhrensphinkter-Systeme seit 2004. In dieser monozentrischen Studie werden deskriptive, therapiebezogene, onkologische und perioperative Parameter statistisch ausgewertet. Primärer Endpunkt ist die Sicherheit und Machbarkeit der Teilexplantation anhand postoperativer Komplikationen (Clavien-Dindo). Zudem werden Prävalenz und Art der Revisionseingriffe erfasst.
Ergebnisse: 117 Patienten (56,8%) erhielten im Zeitraum von 2004 bis 2025 ein bis drei Revisionseingriffe für ihr artifizielles Harnröhrensphinkter-System. Die häufigsten Indikationen für Revisionseingriffe waren Inkontinenz (30,4%) und Infektionen (28,1%). Bei 13 Patienten (6,3%) erfolgte eine Explantation mit unmittelbarer Re-Implantation. 42 Patienten (20,4%) erhielten eine Teilentfernung (Wechsel, Reposition, partielle Explantation). Bei keinem der Patienten mit Teilexplantation trat eine Komplikation >= Clavien dindo Grad II ein. Bei vier Patienten ohne Teilexplantation trat eine Komplikation >= Clavien dindo Grad II ein. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant (p>0,05).
Schlussfolgerung: Die Teilexplantation artifizieller Harnröhrensphinkter stellt eine Sichere Behandlungsoption dar. Prospektive Studien mit größeren Patientenkollektiven sind zur weiteren Validierung erforderlich.



