Logo

66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Die Analyse von Einzelparametern aus Miktionstagebüchern bei neurogener und nicht-neurogener Dysfunktion des unteren Harntraktes

Anke Jaekel - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland; Johanniter Klinik Godeshöhe, Neuro-Urologie, Bonn, Deutschland
S. Lindenblatt - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
R. Kirschner-Hermanns - Universitätsklinikum Bonn (ret.), Bonn, Deutschland
S. Knüpfer - Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland; Johanniter Klinik Godeshöhe, Neuro-Urologie, Bonn, Deutschland

Text

Einleitung: Eine Vielzahl von Leitlinien und Expertengremien empfiehlt die Anwendung eines Miktionstagebuches (MTB) bei Personen mit neurogener Dysfunktion des unteren Harntaktes (NLUTD) zur weiterführenden Diagnostik. Im Gegensatz zum MTB bei nicht-neurogener Genese sind dazu jedoch nur wenige Studien existent. Grenz- oder Normalwerte, auch genderspezifisch, die die Notwendigkeit zur weiteren Diagnostik oder Therapie anzeigen, fehlen gänzlich.

Ziel war es daher, MTB von Personen mit neurogener und nicht neurogener Dysfunktion (nNLUTD) des unteren Harntraktes zu analysieren und Einzelparameter im geschlechtsspezifischen Vergleich auszuwerten.

Methode: Retrospektive Beobachtungsstudie mit 199 Personen, die sich von 02/22 bis 05/23 zur Urodynamik mit unterschriebener Einverständniserklärung zur Datenauswertung vorstellten. Daten aus Anamnese sowie MTB (Trinkmenge/24 h (TM), Miktionsmenge/24 h (MM), minimale/maximale Miktionsportion (MPmin/MPmax), mittleres Miktionsvolumen (MPmean), Miktionsfrequenz (MF)/Tag und /Nacht) wurden nach Geschlechtern und Genese der Dysfunktion des unteren Harntraktes mittels Chi2 Test und Mann-Whitney-Test verglichen.

Ergebnisse: Es wurden Männer N=80 (40.2%) und Frauen N=119 (59.8%) im Alter von 56.6 (± 17.3, min 18, max 89) Jahre eingeschlossen. N=140/199 (70.4%) MTB lagen vor, ohne Unterschied zwischen NLUTD vs nNLUTD (X²[1,190]=1.08, p=0.313). Frauen haben in der Gesamtgruppe (X²[1,199]=12.76, p<0.001) und in den Subgruppen nNLUTD (X²[1, 117]=4.00, p=0.045) und NLUTD (X²[1, 73]=10.58, p=0.001) signifikant mehr MTB ausgefüllt. Die mittlere TM/24 h betrug 2002.6 (±790, min 570, max 4500), die MM/24 h (1819.5±734, min 160, max 3780), die MPmin (85.4±65, min 5, max 470) und MPmax (392.5±169.7, min 80, max 900), das MPmean (215.4±99, min 45, max 570) in ml und die MF (7.71±3.3, min 3,max 21) x/Tag und (1.84±1.57, min 0, max 8) x/Nacht. Die MTB-Parameter unterschieden sich in der Miktionsfrequenz/Tag zwischen nNLUTD (median 7.0, N=82) vs NLUTD (median 6.0, N=47) U=1509; z=-2.057, p=0.04. Die anderen Parameter zeigten keine Unterschiede zwischen nNLUTD vs. NLUTD bzw. den Geschlechtern.

Schlussfolgerung: Für die Einzelparameter des MTB zeigt unsere Analyse nahezu keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern und in den einzelnen Subgruppen. Frauen scheinen eine höhere Compliance bezüglich des Ausfüllens zu haben. Eine größere Anzahl an Daten muss inkludiert werden, um detailliertere genese- und erkrankungsspezifische Subgruppenanalysen durchführen zu können und damit evtl vorliegende statistische Störfaktoren zu minimieren. Diese Daten müssen mit MTB Gesunder verglichen werden, um den diagnostischen Wert des MTB zu steigern.