66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Lernkurve der retroperitonealen versus transperitonealen roboterassistierten partiellen Nephrektomie zu Beginn der selbständigen chirurgischen Tätigkeit
Text
Einleitung: Die retroperitoneale robotisch assistierte partielle Nephrektomie (rRAPN) ermöglicht einen direkten Zugang zu dorsalen Tumoren ohne Darmmobilisation, gilt jedoch insbesondere in der frühen Lernphase als technisch anspruchsvoller als der transperitoneale Zugang (tRAPN). Ziel dieser Untersuchung war der Vergleich perioperativer, funktioneller und lernkurvenbezogener Parameter beider Techniken in der initialen chirurgischen Phase eines jungen Operateurs.
Methode: In einer retrospektiven Analyse wurden 63 konsekutive robotisch assistierte partielle Nephrektomien untersucht, die zwischen Mai 2024 und Dezember 2025 an einem universitären tertiären Zentrum durchgeführt wurden (31 rRAPN, 32 tRAPN). Erfasst wurden Docking-Zeit, Konsolenzeit, Gesamtoperationszeit (OT), Warmischämiezeit (WIT) und geschätzter Blutverlust (EBL). Konversionen sowie postoperative Komplikationen nach Clavien–Dindo wurden dokumentiert. Onkologische und funktionelle Endpunkte umfassten positive Schnittränder (PSM), das Erreichen der Trifecta-Kriterien (negativer Schnittrand, WIT ≤25 Minuten, keine Komplikation ≥ Clavien II) sowie die perioperative Veränderung der Nierenfunktion (ΔeGFR). Lernkurveneffekte wurden mittels Vergleich früher versus später Eingriffe sowie linearer Regression der Operationszeit analysiert.
Ergebnisse: Die Tumorkomplexität war vergleichbar (RENAL-Score 7 [6–9]). Die Docking-Zeit war bei rRAPN länger (22 [19–23] vs. 14 [12–14,2] Minuten), während die Konsolenzeit ähnlich war (93 [73–122,8] vs. 98 [78–112] Minuten). OT und WIT unterschieden sich nicht wesentlich (137 [114–177,5] vs. 135 [115,3–159,8] Minuten; WIT jeweils 18 [14–22] Minuten). Der Blutverlust war bei rRAPN geringer (25 [25–150] vs. 100 [25–200] mL). Es traten zwei Konversionen auf (je 3%). Komplikationen ≥ Clavien II wurden bei 19,4% vs. 9,4% beobachtet; schwere Komplikationen (≥ III) bei 12,9% vs. 9,4%. PSM lagen bei 0% vs. 6,2%, die Trifecta-Rate bei 74,2% vs. 81,2%. Die ΔeGFR bei Entlassung war vergleichbar (0 [−8,5–0] vs. 0 [−9–0] mL/min/1,73 m²).
Die Lernkurvenanalyse zeigte für rRAPN eine deutliche Reduktion der OT von 170 auf 124,5 Minuten (−1,15 Minuten/Fall; p=0,07), während die Abnahme bei tRAPN moderater ausfiel (−0,61 Minuten/Fall; p=0,10).
Schlussfolgerung: Die rRAPN ist in der frühen chirurgischen Phase sicher und mit vergleichbaren funktionellen sowie onkologischen Ergebnissen durchführbar. Trotz längerer Docking-Zeit zeigt sich eine ausgeprägte operative Lernkurve, was für eine strukturierte Integration des retroperitonealen Zugangs in frühe robotische Trainingsprogramme spricht.



