66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Externe Validierung des Martini-Klinik-Nomogramms zur präoperativen Prädiktion der Indikation für eine adjuvante Strahlentherapie gemäß EAU-Leitlinien bei Patienten mit hoch-Risiko Prostatakarzinom
Text
Einleitung: Der mögliche Bedarf einer adjuvanten Strahlentherapie kann zum Bedauern hinsichtlich der ursprünglichen Therapieentscheidung für eine radikale Prostatektomie (RP) führen. Das kürzlich vorgestellte Martini-Klinik-Nomogramm adressiert diese Herausforderung und schätzt das Risiko für die Indikation für eine adjuvante Strahlentherapie gemäß den aktuellen Leitlinien der European Association of Urology (EAU) basierend auf präoperativ bekannten klinischen Parametern ein. Hierzu zählen das Prostatavolumen, der Prostata-spezifische Antigen Wert, das klinische Tumorstadium, die Anzahl der entnommenen Stanzen, der Anteil positiver Stanzen sowie die Gleason Grade Gruppe in der Biopsie.
Methode: Wir identifizierten Patienten mit einem hoch-Risiko Prostatakarzinom, die zwischen 01/2014 und 12/2024 mittels radikaler Prostatektomie in unserer Klinik behandelt wurden. Die externe Validierung des Martini-Klinik-Nomogramms erfolgte hinsichtlich Genauigkeit, Kalibrierung und Nettonutzen unter Verwendung von Decision-Curve-Analysen.
Ergebnisse: Von 404 Patienten mit hoch-Risiko Prostatakarzinom wiesen 182 (45%) gemäß aktuellen EAU-Leitlinien eine Indikation für eine adjuvante Strahlentherapie auf. Das Nomogramm sagte das Ergebnis mit einer Genauigkeit von 79% voraus (c-index). Es zeigte sich eine hohe Übereinstimmung zwischen der vorhergesagten und der beobachteten Wahrscheinlichkeit für eine Indikation zur adjuvanten Strahlentherapie. Eine geringe Überschätzung gegenüber den idealen Vorhersagen wurde für vorhergesagte Wahrscheinlichkeiten zwischen 25 und 50% beobachtet, ebenso eine minimale Unterschätzung im Bereich von 0 bis 20% sowie von 75 bis 100%. In Decision-Curve-Analysen führte die Anwendung des Nomogramms zu einem größeren Nettonutzen für alle Schwellenwahrscheinlichkeiten zwischen 25 und 95% im Vergleich zu beiden Alternativstrategien – adjuvante strahlentherapeutische Behandlung von keinem oder von allen Patienten.
Schlussfolgerung: Mit dieser externen Validierung bestätigten wird die Leistungsfähigkeit des neuen Martini-Klinik-Nomogramms, die Indikation für eine adjuvante Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie entsprechend den aktuellen Empfehlungen der EAU-Leitlinie bei Patienten mit hoch-Risiko Prostatakarzinom vorherzusagen. Das vorliegende Nomogramm kann Ärztinnen und Ärzte bei der präoperativen Patientenaufklärung hinsichtlich des Risikos einer adjuvanten Behandlung unterstützen.



