66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Die extravesikale Dauerkatheterlage – wenn das Hufgetrappel doch zum Zebra gehört
Text
Einleitung: Der Wechsel transurethraler Dauerkatheter (tuDK) bei der Frau ist in der Regel eine unkomplizierte Routinemaßnahme in der stationären und ambulanten Pflege. Der folgende Fallbericht beschreibt eine Komplikation, die durch die speziellen Vordiagnosen der Patientin zunächst maskiert war.
Methode: Die von uns behandelte junge Frau erlitt im Rahmen der Geburt ihres ersten Kindes bei HELLP-Syndrom eine intrapartale Stammganglienblutung, das Kind wurde per sekundärer Notsectio entbunden. Nach der Akuttherapie wurde sie mit Hemiplegie und Aphasie in unserer Rehabilitationseinrichtung nachbehandelt. Die urologische Vorstellung erfolgte nach routinemäßigem tuDK Wechsel am Vortag, da sich neben geringer Urinausscheidung in den Beutel eine erhebliche Menge leicht blutigen Urins am DK vorbei entleerte. Auffällig war das mangelnde DK-Spiel in der Blase. Die Sonographie zeigte den DK-Ballon retropubisch gelegen. Bei Verdachtsdiagnose einer durch DK-Dauerableitung larvierten Blasenwandverletzung infolge Notsectio konnte ein Tiemann-Katheter unkompliziert gelegt werden. Die korrekte Lage wurde sonographisch bestätigt. Wenig später präsentierte die Patientin intervallartige Makrohämaturien, plötzlich einsetzende Übelkeit, unklare abdominelle Schmerzen und Blutdruckabfall. Die Sonographie der Nieren zeigte bis auf eine Zyste im oberen Nierendrittel rechts keine Auffälligkeiten. Es wurde unmittelbar ein Notfall-CT Abdomen veranlasst.
Ergebnisse: In der CT-Diagnostik zeigte sich ein auffällig weiter rechter Ureter als Blutungsquelle mit Harnaufstau der Niere. Auf Nachfrage bzgl. der Diskrepanz zwischen Nieren-Sonographie und CT-Ergebnis wurde eine Doppelnierenanlage rechts erkannt. Bei der Patientin lag ein Ureter duplex mit ektope Mündung vor, über die der DK beim Wechsel zufällig eingelegt und intraureteral geblockt worden war. Die Patientin hatte in der Folge Harnleiterkoliken durch Harnleiterblutung, die sich vegetativ äußerten. Es erfolgte umgehend die Verlegung in die urologische Akutversorgung, wo notfallmäßig die Anlage einer Harnleiterschiene wegen beginnender Sepsis erfolgte.
Schlussfolgerung: Die Doppelnierenanlage mit ektop mündendem Ureter duplex war ursächlich für die DK-Fehllage. Sowohl die intraureterale DK-Lage als auch die nachfolgende blutungsbedingte Harnleiterkolik nach Dekompression wurde wegen der Aphasie und der rechtsseitigen Hemiparese mit Verlust der Sensibilität erst zeitverzögert diagnostiziert.
Nach dem Wechsel eines DK sollte immer auf eine unauffällige Urinausscheidung und in der Blase unauffällig Beweglichkeit des DK geachtet werden. Bei Auffälligkeiten bringt eine sonographische Lagekontrolle rasch Aufschluss über eine korrekte Lage. Insbesondere neurogen beeinträchtigte Personen müssen mit zusätzlicher Sorgfalt behandelt werden, da Schmerzen als Warnsignal nicht empfunden oder geäußert werden können.



