66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.
Ureterales Urothelkarzinom im Nierentransplantat: Herausforderungen in Diagnostik und Therapie
Text
Einleitung: Nierentransplantierte Patienten weisen im Vergleich zur nicht transplantierten Allgemeinbevölkerung ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Urothelkarzinoms auf. Urotheliale Malignome im Transplantatureter stellen eine Rarität dar und sind diagnostisch wie therapeutisch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Wir berichten über einen seltenen Fall eines spendenassoziierten Urothelkarzinoms des transplantierten Ureters bei synchronem Auftreten eines Harnblasenkarzinoms.
Methode: Vorgestellt wird der Fall eines 71-jährigen Patienten, 41 Jahre nach Nierentransplantation, der sich mit einer Hydronephrose Grad III des Nierentransplantats sowie einem Anstieg der Serumkreatininwerte präsentierte. In der Vorgeschichte bestanden eine dialysepflichtige terminale Niereninsuffizienz sowie die Transplantation einer Niere von einem verstorbenen Spender. Diagnostisch zeigte sich ein hochgradiges Urothelkarzinom (pT1) im distalen Abschnitt des Transplantatureters. Unter der Prämisse des Organerhalts wurde primär ein transplantaterhaltendes Vorgehen gewählt. Dieses umfasste die Resektion des Transplantatureters sowie eine laparoskopische Nephrektomie der linken nativen Niere mit anschließender Anastomose des distalen nativen Ureters an das Nierenbecken des Transplantats.
Ergebnisse: Die definitive histopathologische Untersuchung ergab ein hochgradiges Urothelkarzinom im Stadium pT3 bei positivem Resektionsrandstatus. Drei Monate postoperativ zeigten sich erneut hochgradige Urothelkarzinommanifestationen im Transplantat sowie ein Carcinoma in situ der Harnblase. Daraufhin wurde die radikale chirurgische Therapie mit rechtsseitiger Nephroureterektomie, Nephroureterektomie des Nierentransplantats sowie radikaler Zystoprostatektomie durchgeführt. Postoperativ nahm der Patient komplikationslos die Hämodialyse wieder auf. Nach 26 Monaten zeigte sich im Follow-up kein Anhalt für ein Tumorrezidiv.
Schlussfolgerung: Eine Hydronephrose des Nierentransplantats erfordert eine konsequente differenzialdiagnostische Abklärung unter besonderer Berücksichtigung urothelialer Malignome. Die radikale Nephroureterektomie stellt bei hochgradigem Urothelkarzinom des oberen Harntrakts im Transplantat eine onkologisch effektive Therapieoption dar. Bei funktionell relevantem Transplantat sollte jedoch – sofern onkologisch vertretbar – ein organerhaltendes Vorgehen priorisiert werden.



