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188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia

Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
06.-07.02.2026
Bochum

Meeting Abstract

Makuläre Teleangiektasien Typ 2 – Baseline- und erste Follow-up-Daten aus der MEMORY-Studie

Carla Winter - Münster
K. Rothaus - Münster
K. Blatz - Freiburg
F. Bucher - Freiburg
D. Pauleikhoff - Münster
C. Lange - Münster

Text

Ziel: Makuläre Teleangiektasien Typ 2 (MacTel) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die mit einem fortschreitenden Verlust der zentralen Sehschärfe einhergeht. Seit März 2025 ist in den USA erstmals eine neuroprotektive Therapie zugelassen. Die multizentrische MEMORY-Studie (Multicentre European Mactel2 prOgRession studY) analysiert klinische und bildgebende Daten von Patienten mit MacTel retro- und prospektiv, um geeignete Therapiekandidaten und -zeitpunkte zu identifizieren.

Methode: Diese Arbeit untersucht Baseline (BL)- und Follow-Up (FU)-Daten der Patienten mit MacTel, die von Januar 2024 bis Oktober 2025 in die MEMORY-Studie einwilligten. Erfasst wurden demographische Daten, Vorerkrankungen, Visus, Erkrankungsstadium sowie quantitative OCT-Vermessungen wie die Größe des Verlusts der ellipsoiden Zone (EZ).

Ergebnis: Insgesamt wurden 324 Augen von 162 Patienten eingeschlossen (58% Frauen; Durchschnittsalter 60,1 Jahre [SD±9,5]). 22% der Patienten wiesen einen Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) und 52% eine arterielle Hypertonie (aHT) auf. Der Visus betrug bei BL im Median 0,2 logMAR (IQR 0,1–0,4). Nach 5 Jahren (n=84 Augen) zeigte sich eine durchschnittliche Visusabnahme auf 0,3 logMAR. Bei Patienten mit zentralem EZ-Verlust nahm die mittlere EZ-Verlust-Fläche von initial 0,39 mm2 [0,01–0,91] auf 0,62 mm2 [0,12–1,39] zu. 36% der Augen ohne Läsionen bei BL zeigten nach 5 Jahren einen EZ-Verlust. Bei 41% der Augen erreichte ein zunächst nicht zentral gelegener EZ-Verlust nach 5 Jahren das Zentrum. Patienten mit aHT zeigten bei Baseline einen signifikant größeren Verlust der EZ (p <0,01), jedoch keine stärkere Progression des EZ-Verlustes innerhalb von 5 Jahren im Vergleich zu Patienten ohne aHT. Gleiches galt für Patienten mit DM2.

Schlussfolgerung: Die MEMORY-Studie stellt eine der größten MacTel-Kohorten Europas dar. Bereits bei BL wiesen 47% der Patienten einen zentralen EZ-Defekt auf, was auf eine fehlende Erkennung früher Krankheitsstadien hindeutet. Der Defekt war bei Patienten mit aHT und DM2 größer, schritt jedoch nicht schneller fort als bei Patienten ohne diese Begleiterkrankungen. Dies legt nahe, dass bei Patienten mit aHT oder DM2 der EZ-Verlust früher auftritt, ohne die Progressionsgeschwindigkeit zu beeinflussen. Weitere Auswertungen und eine Vergrößerung der Studienkohorte sind geplant, um den Einfluss von Risikofaktoren sowie die Krankheitsdynamik in Abhängigkeit von Stadium und individuellem Risikoprofil genauer zu untersuchen.