188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Okuläre Toxoplasmose: mehr als klassische Retinochorioiditis – eine Fallserie
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Hintergrund: Als häufigste Form der posterioren Uveitis wird die okuläre Toxoplasmose typischerweise anhand charakteristischer klinischer Befunde diagnostiziert, darunter eine fokale Retinochorioiditis, eine angrenzende chorioretinale Narbe sowie eine mittel- bis hochgradige Vitritis. Allerdings können „atypische“ Manifestationen eine besondere diagnostische Herausforderung darstellen. Zu den atypischen Manifestationen der okulären Toxoplasmose zählen unter anderem Punktuelle äußere retinale Toxoplasmose (PORT), Netzhautvaskulitis, Gefäßverschlüsse, Netzhautablösungen, Frosted-Branch-Angiitis, Kyrieleis-Arteriitis, Fuchs-ähnliche vordere Uveitis, multifokale diffuse nekrotisierende Retinitis, Neuroretinitis und Papillitis. In unserer Fallserie berichten wir über Patienten, die sich mit untypischen Erstmanifestationen der okulären Toxoplasmose präsentierten. Diese erschwerten die Diagnosestellung und führten in einigen Fällen zu Verzögerungen bei der Therapieeinleitung.
Methoden: In unserer Fallserie stellen wir vier Patienten, 3 Männer und eine Frau, im Alter zwischen 26–63 Jahren vor, die sich zwischen März 2025 und September 2025 erstmals in unserer Uveitissprechstunde vorgestellt haben.
Ergebnisse: Die Patienten wurden in unsere Uveitis-Sprechstunde mit unterschiedlichen Verdachtsdiagnosen überwiesen, darunter Glaskörperblutung, posterior Uveitis, Glaukomanfall und Vaskulitis. Keiner der Patienten hatte zuvor eine Diagnose einer okulären Toxoplasmose erhalten. Im Rahmen der untypischen Manifestationen wiesen zwei Patienten unserer Fallserie eine Kyrieleis-Arteriitis, ein Patient eine Fuchs-ähnliche Uveitis und ein Patient einen Venenverschluss auf. Basiert auf klinischer Untersuchung und mithilfe Multimodal-imaging-OCT wurde die okuläre Toxoplasmose diagnostiziert. Die serologischen Untersuchungen zeigten ebenfalls positive Befunde.
Schlussfolgerung: Die okuläre Toxoplasmose ist eine häufig vorkommende Erkrankung, die sich in der Regel klinisch typisch manifestiert. In Einzelfällen, wie in unserer Fallserie gezeigt, kann die Diagnose jedoch aufgrund atypischer Manifestationsformen verzögert erfolgen. Toxoplasmose sollte als mögliche Ursache einer posterioren Uveitis in Betracht gezogen werden, um Fehldiagnosen zu vermeiden und eine frühzeitige, gezielte Therapie einzuleiten.



