188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Der Choroidal Vascularity Index (CVI) als objektiver Parameter zur Aktivitätsbeurteilung und Therapieüberwachung bei posteriorer und Panuveitis
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Hintergrund: Die Beurteilung der Entzündungsaktivität bei posteriorer oder Panuveitis stellt im klinischen Alltag eine Herausforderung dar. Ein objektives und reproduzierbares Verfahren kann helfen, das Therapieansprechen besser einzuschätzen und so eine Über- oder Untertherapie zu vermeiden. Der Choroidal Vascularity Index (CVI) wurde als Maß für das Verhältnis der luminalen zur totalen choroidalen Fläche entwickelt und erlaubt die quantitative Beurteilung der Gefäßstruktur der Aderhaut. Ziel dieser Arbeit war die Evaluierung des CVI als nichtinvasiver Biomarker für die Entzündungsaktivität bei Uveitis mit Beteiligung des posterioren Segments.
Methoden: Bei PatientInnen mit aktiver oder inaktiver posteriorer bzw. Panuveitis wurde eine Enhanced Depth Imaging Optical Coherence Tomography (EDI-OCT; Spectralis, Heidelberg Engineering) der betroffenen Augen durchgeführt. Die subfoveale, totale choroidale Fläche (TCA) wurde manuell mit ImageJ2 durch zwei unabhängige Grader bestimmt. Anschließend erfolgte die halbautomatisierte Binarisierung mittels Niblack-Algorithmus, um die luminale (LA) von der stromalen Fläche (SA) abzugrenzen. Der CVI ergab sich aus dem Quotienten der LA und der TCA. Die klinische Aktivitätsbeurteilung erfolgte durch zwei unabhängige ExpertInnen anhand leitliniengerechter Kriterien. Als Kontrollgruppe dienten gesunde Augen aus einem altersgematchten Kollektiv.
Ergebnisse: In die Studie wurden 116 Augen von PatientInnen mit einer posterioren oder Panuveitis eingeschlossen. Das mittlere Alter lag bei 46±16 Jahren. Der mittlere CVI betrug bei den 65 gesunden Kontrollaugen 0,73±0,03. Die inaktiven Uveitis-Augen zeigten einen signifikant niedrigeren CVI von 0,70±0,04 (p<0,01), wobei sich kein Unterschied zwischen posteriorer Uveitis und Panuveitis fand. Bei aktiven Augen konnte eine weitere Abnahme des CVI (0,68±0,03) im Vergleich zu denen in Remission nachgewiesen werden (p<0,05). Die TCA unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (p=0,46).
Schlussfolgerung: In dieser Analyse zeigte sich der CVI bei Augen mit einer posterioren oder Panuveitis auch in Remission im Vergleich zu Gesunden vermindert. Bei einer aktiven Inflammation stellte sich eine weitere Abnahme des CVI respektive inaktiver Augen dar. Dies könnte neben der Abnahme der Gefäßlumina bei chronischer Entzündung auch durch eine stromale Verdickung infolge von Exsudation und Zellinfiltration erklärt werden. Weitere longitudinale Untersuchungen der Entwicklung des CVI sind nötig, um seine Standardisierung zu erreichen und ihn als Biomarker zur Aktivitätsbeurteilung und zum Monitoring des individuellen Therapieansprechens bei Uveitis-PatientInnen zu etablieren.



