188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Eine weitsichtige Patientin
Text
Ziel: Darstellung des Falls einer 38-jährigen Patientin mit hoher beidseitiger Hyperopie, bei der nach Implantation einer phaken Hinterkammer-Intraokularlinse (pIOL) im Jahr 2006 ein chronisch erhöhter Augeninnendruck (IOD) und Pigmentdispersion auftraten. Trotz erfolgreicher refraktiver Korrektur mit einer Sehschärfe von beidseits 1,0 (Snellen dezimal) machten die langfristigen Komplikationen eine Explantation der pIOL und eine kombinierte Katarakt-Operation erforderlich.
Methoden: Die Patientin stellte sich initial mit beidseitig erhöhtem IOD bis 30 mmHg und verschwommenem Sehen vor. In der Spaltlampenuntersuchung zeigten sich flache Vorderkammern, enge Kammerwinkel, Pigmentierung des Hornhautendothels, der pIOL-Oberfläche und des Trabekelwerks sowie partielle periphere anteriore Synechien. Aufgrund des Verdachts auf ein sekundäres Engwinkelglaukom durch die pIOL erfolgte letztlich die Entfernung der pIOL mit simultaner Phakoemulsifikation und Implantation einer Hinterkammer-IOL. Während des Eingriffs am linken Auge kam es zu Irisdefekten aufgrund von iridocornealen Adhäsionen und Irisprolaps mit resultierender monokularer Diplopie postoperativ. Am rechten Auge konnte eine Irisverletzung durch präoperative Gabe von Mannitol und intraoperative Verwendung von Irisretraktoren vermieden werden.
Ergebnisse: Postoperativ traten in beiden Augen eine ausgeprägte Entzündungsreaktion mit Fibrinablagerungen in der Vorderkammer auf, die unter intensiver topischer antientzündlicher Therapie vollständig zurückgingen. Sechs Monate nach dem Eingriff zeigten sich stabile IOD ohne manifeste glaukomatöse Schäden und eine bestkorrigierte Sehschärfe beidseits von 1,0 (Snellen dezimal). Die Patientin klagte jedoch über anhaltende Blendempfindlichkeit am linken Auge, sodass letztendlich eine Pupilloplastik notwendig war.
Schlussfolgerung: Dieser Fall verdeutlicht die diagnostischen, chirurgischen und kommunikativen Herausforderungen bei der Behandlung von Spätkomplikationen nach pIOL-Implantation. Anspruchsvoll war nicht nur die intraoperative Situation, sondern auch deren funktionelle Folgen sowie die Entscheidungsfindung über das geeignete therapeutische Vorgehen bei guter Ausgangssehschärfe. Der Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer langfristigen Nachsorge, sorgfältigen Operationsplanung und präzisen chirurgischen Technik, um mechanische Iristraumata und daraus resultierende Dysphotopsien zu vermeiden. Ebenso zeigt er die emotionale Belastung für die Patientin, wenn Komplikationen im Rahmen eines eigentlich elektiven refraktiven Eingriffs auftreten.



