188th Meeting of the Ophthalmologists of the Rhineland and Westfalia
188. Versammlung des Vereins Rheinisch-Westfälischer Augenärzte
Endotamponaden-abhängiger postoperativer IOD-Anstieg nach Pars-plana-Vitrektomie bei Amotio retinae: eine oregis-Auswertung
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Die Erhöhung des Augeninnendrucks (IOD) nach einer Pars-plana-Vitrektomie (PPV) bei Amotiochirurgie kann unmittelbar oder im Verlauf nach der Operation in 7–48% der Fälle auftreten und unbehandelt zu einer dauerhaften Sehnervschädigung führen. Die Ursachen für IOD-Anstiege sind multifaktoriell und können auf die Art der Endotamponade sowie deren mechanischen Einfluss, eine entzündliche Reaktion oder die Steroidtherapie zurückzuführen sein. Durch die Überwachung des IOD kann ein kritischer Tensioanstieg rechtzeitig erkannt und behandelt werden, um bleibende Schäden zu vermeiden. Ziel dieser Studie war es, den postoperativen IOD-Verlauf nach PPV mit verschiedenen Endotamponaden (Luft, Gas, Silikonöl) zu analysieren und die Inzidenz von frühpostoperativen IOD-Anstiegen zu erfassen.
Methodik: Analysiert wurden vollanonymisierte oregis-Register-Daten von 1.316 Patienten, die aufgrund einer Netzhautablösung mittels PPV behandelt wurden. Die Patienten wurden in drei Gruppen je nach Endotamponade unterteilt: Luft (LE, n=185, männlich (m) = 55,7%, Ø 75 Jahre (J), Interquartilsabstand (IQR) 65–81), Gas (GE, n=603, m=57,2%, Ø 65 J, IQR 56–74) und Silikonöl (SE, n=528, m=63,8%, Ø 63 J, IQR 52,8–74). Der IOD wurde präoperativ sowie 24 Stunden (24h) und 2–5 Tage postoperativ erfasst. Ein IOD-Anstieg wurde als IOD>21 mmHg definiert. Die statistische Signifikanz der IOD-Anstiege wurde mit dem Fisher’s-Exact-Test geprüft.
Ergebnis: Der IOD lag in allen Gruppen präop im Normbereich (LE: 16±4,6, GE: 15,5±3,8, SE: 15,4±5). 24h postop wurden in der GE- (n=50, 8,2%, p=0,008) und SE-Gruppe (n=39, 7,4%, p=0,02) häufiger IOD-Anstiege beobachtet als in der LE-Gruppe (n=5, 2,7%). Die höchsten in den ersten 24h gemessenen IOD-Werte waren 31mmHg bei LE, 35 mmHg bei GE und 51 mmHg bei SE. In den ersten 2–5 Tagen postop wurden IOD-Anstiege häufiger bei Patienten mit GE (n=28, 4,8%, p=0,03) und SE (n=36, 6,8%, p=0,002) im Vergleich zu LE (n=2, 1,1%) beobachtet. Zwischen der GE- und SE-Gruppe bestand 24h postop (p=0,58) und 2–5 Tage postop kein Unterschied (p=0,12).
Schlussfolgerung: Bei allen Arten von Endotamponaden traten sehr häufig (≥10%) Tensioanstiege sowohl in den ersten 24h postoperativ wie auch nach 2–5 Tagen auf. Das Risiko ist bei Gas- und Silikonölendotamponade höher als bei Luft. Innerhalb der ersten 24h fanden sich zudem bei allen Gruppen Druckspitzen, was die stationäre Behandlung der Netzhautablösung aufgrund des möglichen IOD-Anstiegs rechtfertigt.



