Logo

99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

Live-Patientenzimmer: Virtuelles Chairside-Teaching mit synchroner Fallbesprechung – nach Corona noch zeitgemäß?

Carolin Kolb-Wetterau - Mainz
F.M. Wagner - Mainz
V. Prokosch - Mainz
E.M. Hoffmann - Mainz

Text

Ziel: Im Zuge der COVID-19-Pandemie war eine grundlegende Umstrukturierung der klinischen Lehre erforderlich. Da Präsenzhospitationen in der Augenklinik nicht mehr durchgeführt werden konnten, wurde das synchrone Lehrformat „Live-Patientenzimmer“ mit virtuellem, patientennahem Unterricht entwickelt. Auch nach Rückkehr zur Präsenzlehre wird das Format an unserer Klinik weiterhin eingesetzt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die erneute Evaluation des Konzepts, um zu prüfen, ob es auch außerhalb der pandemiebedingten Ausnahmesituation seinen Stellenwert in der studentischen Lehre behält.

Methode: Die Lehrveranstaltungen an der Universitätsaugenklinik Mainz bestehen aus mehreren Modulen, unter anderem einer synchronen Begleitung einer Visite mit anschließender Fallbesprechung. Das „Live-Patientenzimmer“ wird virtuell von zwei ärztlichen Mitarbeitenden moderiert. Pro Sitzung werden 20–30 Studierende über eine Videokonferenzplattform zugeschaltet und begleiten die Visite von zwei stationären Patienten. Anamneseerhebung und Spaltlampenuntersuchung werden live per Video übertragen, gefolgt von der Demonstration apparativer Befunde und der Aufarbeitung des Patientenfalls. Eine kontinuierliche Interaktion ist über eine Chatfunktion sowie interaktive Quizfragen möglich. Das Format wurde mittels standardisierter studentischer Evaluation bewertet.

Ergebnis: Insgesamt bewerteten im Sommersemester 2026 die Studierenden (n = 120) das Lehrformat mit einer Durchschnittsnote von 1,42 ± 0,56 (61,7% „sehr gut“, 35,0% „gut“). Niveau (96,7%) und Umfang der vermittelten Inhalte (100%) wurden mehrheitlich als angemessen eingestuft, ebenso die Veranstaltungsdauer (76,7%). Die Fallauswahl wurde als lehrreich und praxisrelevant bewertet (Zustimmung im Mittel 4,65/5), die Spaltlampenuntersuchung war trotz virtueller Durchführung gut nachvollziehbar (4,18/5), und das Format vermittelte einen realistischen Eindruck des klinischen Alltags (4,27/5). Die Studierenden gaben an, im Mittel 81% der Veranstaltungszeit aktiv gefolgt zu sein. Bei der Frage nach der zukünftig bevorzugten Unterrichtsform sprachen sich 81% für ein hybrides Konzept aus Präsenzlehre und synchronem virtuellem Unterricht aus, 14 % bevorzugten überwiegend virtuellen Unterricht, während nur 5% ausschließlich Präsenzlehre präferierten.

Schlussfolgerung: Auch jenseits der pandemiebedingten Notwendigkeit wird das „Live-Patientenzimmer“ von den Studierenden weiterhin sehr positiv bewertet und mehrheitlich als sinnvolle Ergänzung zur Präsenzlehre gewünscht. Das Format ermöglicht ortsunabhängiges, patientennahes Lernen in größeren Gruppen, ohne an didaktischer Qualität einzubüßen. Die aktuellen Daten bestätigen, dass das Konzept ein zeitgemäßer Baustein der klinischen Lehre bleibt.