99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
Tödliche Glaskörpertrübung
Text
Fallvorstellung: Es wird ein Fall präsentiert, der nach Vorstellung mit anamnestisch seit einem Tag bestehender einseitiger Visusminderung mit GK-Trübungen und gutem Allgemeinzustand innerhalb eines Monats in einem Exitus letalis endete. Es stellte sich eine 87-jährige Patientin in gutem Allgemeinzustand mit seit ca. einem Tag bestehender Visusminderung rechts vor. Anamnestisch war eine AMD bekannt, funduskopisch zeigte sich ein reduzierter Einblick aufgrund einer Glaskörperblutung bzw. –trübung. Im Ultraschall zeigte sich eine flache Prominenz in der Makula, sodass von einer hämorrhagischen AMD mit Glaskörperblutung ausgegangen wurde und eine zeitnahe Vitrektomie, gegebenenfalls mit rt-PA und Gaseingabe geplant wurde. Im Rahmen der Vitrektomie wenige Tage später zeigte sich eine massive Befundverschlechterung im Sinne einer endogenen Endophthalmitis mit ausgedehntem subretinalem Abszess. Die postoperativ eingeleitete systemische Fokussuche führte über die mikrobiologische Untersuchung eines Weichteilabszesses am Knie zum Nachweis des grampositiven aeroben Bakteriums Nocardia farcinica. Der Zustand der Patientin verschlechterte sich rapide und die weitere internistisch-neuroradiologische Abklärung ergab eine Aortenklappenendokarditis sowie drei Kleinhirnabszesse. Trotz gezielter antibiotischer und neurochirurgischer Therapie kam es zu rezidivierenden Kleinhirnabszessen und innerhalb weniger Tage zum Tod der Patientin.
Schlussfolgerung: Die Nokardiose ist eine seltene Ursache der endogenen Endophthalmitis und manifestiert sich typischerweise – wie auch in unserem Fall – durch subretinale oder choroidale Abszesse. Eine zeitnahe gezielte mikrobiologische und chirurgische Therapie ist bei dieser hochaggressiven Erkrankung überlebenswichtig.



