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99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

Sehstörungen im Rahmen einer Krebstherapie: Zwei Fälle – eine Gemeinsamkeit

Jakob Gempler - Koblenz
F. Weinand - Koblenz

Text

Hintergrund: Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) können selten okuläre immunvermittelte Nebenwirkungen verursachen. Das Spektrum reicht von anteriorer oder intermediärer Uveitis bis zu retinalen Gefäßmanifestationen. Eine rasche ophthalmologische Einordnung und ein schweregradabhängiges, interdisziplinäres Vorgehen sind für den Visuserhalt und die onkologische Therapieplanung entscheidend.

Methoden: Deskriptive Darstellung zweier Patienten mit neu aufgetretenen Sehstörungen unter Nivolumab (PD-1-Inhibitor) beziehungsweise Durvalumab (PD-L1-Inhibitor). Erfasst wurden Anamnese, bestkorrigierter Fernvisus, Augeninnendruck, Spaltlampen- und Fundusbefund, SD-OCT sowie der Therapieverlauf.

Ergebnisse: Bei einem 74-jährigen Patienten mit malignem Melanom traten unter Nivolumab linksseitig Trübungen und Schleiersehen auf. Der Fernvisus betrug 0,4 bei einem Augeninnendruck von 25 mmHg. Es bestanden Vorderkammerzellen, ein Tyndall-Phänomen und Glaskörperzellen, jedoch keine retinalen Infiltrate oder Gefäßeinscheidungen und kein Makulaödem. Unter topischer Therapie mit Prednisolonacetat sechs Mal täglich besserten sich Befund und Symptomatik, nach einer Woche lag der Visus bei 0,8.

Bei einem 78-jährigen Patienten mit Urothelkarzinom und Durvalumab-Therapie bestand eine Visusminderung auf Fingerzählen. Neben einer fovealen Druse traten im Verlauf intraretinale Blutungen auf. Die einem retinalen Venenverschluss ähnelnde Konstellation wurde als mögliche immunvermittelte retinale Gefäßbeteiligung gewertet. Nach Pausieren der Immuntherapie und intravenöser Prednisolon-Stoßtherapie (500 mg/Tag für drei Tage) mit anschließender Erhaltungstherapie stieg der Visus auf 0,4 und Durvalumab konnte wiederaufgenommen werden.

Schlussfolgerung: Okuläre Nebenwirkungen unter PD-1- und PD-L1-Blockade können unterschiedliche Augenabschnitte betreffen. Zeitlicher Zusammenhang und Steroidansprechen sind mit einer immunvermittelten Genese vereinbar, beweisen aber keine Medikamentenkausalität. Differenzialdiagnosen müssen berücksichtigt und Entscheidungen über Fortführung, Pausierung oder Beendigung der ICI-Therapie manifestations- und schweregradabhängig gemeinsam mit der Onkologie getroffen werden.