Logo

99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

Mikrobiologische Diagnostik der Augenoberfläche: Lassen sich positive und „falsch-positive“ Befunde unterscheiden? Ein Vergleich von Bindehaut- und Hornhautkratzabstrichen zwischen gesunden Probanden und Patienten mit vermuteter Infektion

Christoph Paul - Marburg
F. Sommer - Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
F. Rosanski - Berlin

Text

Ziel: Die Augenoberfläche ist primär kein steriler Ort. Dies kann die Beurteilung von mikrobiologischen Befunden erschweren, da bei hierbei häufig die Normalflora mitkultiviert wird. Ziel des Projekts war es, nach Parametern, die eine Unterscheidung zwischen Normalflora und Pathogenen erlauben zu identifizieren.

Methodik: Eine Gruppe von Probanden ohne Hinweis auf Infektion der Augenoberfläche wurde mit einer Gruppe von Patienten mit vermuteter Infektion der Augenoberfläche verglichen. Beide Gruppen erhielten Bindehaut bzw. Hornhaut(kratz)abstriche mit gleicher mikrobiologischer Diagnostik. Ausgewertete Parameter waren die Keimart sowie die Keimmenge. Die Auswertung erfolgte mittels Fishers exakter χ2-Tests bzw. Wilcoxon-Mann-Whitney-Tests.

Ergebnisse: Analysiert wurden insgesamt 713 Abstriche, hiervon 106 Bindehaut- und 108 Hornhaut-Abstriche von Probanden ohne Infektion sowie 222 Bindehaut- und 277 Hornhautkratz-Abstriche bei Patienten mit vermuteter Infektion. Die Keimnachweisrate war bei Bindehaut- (p<0,001) und Hornhaut-Abstrichen (p<0,001) signifikant höher bei gesunden Probanden. Nach Ausschluss der antibiotisch Vorbehandelten war der Effekt geringer und nur für Hornhaut-Abstriche signifikant (p=0,03). Grampositive Kokken (insbesondere Koagulase-negative Staphylokokken) wurden häufiger bei gesunden Probanden nachgewiesen (sowohl Bindehaut als auch Hornhaut; p<0,001). Bei Patienten mit vermuteter Infektion wurden in Bindehautabstrichen häufiger gramnegative Stäbchen (p<0,001), bei Hornhaut-Abstrichen Staphylococcus aureus (p=0,005), Pseudomonas aeruginosa (p=0,02), Streptokokken (p=0,05), Coryne- und Propionibakterien (p=0,008) häufiger nachgewiesen.

Schlussfolgerungen: Wir konnten zeigen, dass einige Keime eher mit der natürlichen Flora oder mit Infektionen assoziiert sind und dass die Keimmenge ein möglicher Indikator zur besseren Beurteilbarkeit sein kann.