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99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

Adjuvantes intravitreales Methotrexat bei PVR Grad C – erste Erfahrungen aus einem klinischen Pilotprojekt

Markus S. Ladewig - Fulda
V. Klishko - Fulda
C. Jandeck - Fulda

Text

Hintergrund: Die proliferative Vitreoretinopathie (PVR) bleibt eine wesentliche Ursache für rezidivierende Netzhautablösungen und operative Misserfolge. Frühere pharmakologische Ansätze konnten sich nicht als Standard etablieren. Für intravitreales Methotrexat (MTX) liegen zunehmend klinische Daten vor, die jedoch hinsichtlich Behandlungsschema und anatomischem Nutzen heterogen sind. Ziel dieser Pilotanalyse war die Auswertung der ersten klinischen Erfahrungen mit adjuvantem intravitrealem MTX bei PVR Grad C.

Methoden: Retrospektiv wurden 22 Augen analysiert, bei denen zwischen April 2025 und Juli 2026 im Rahmen einer operativen Versorgung einer PVR-Grad-C-bedingten Netzhautablösung MTX eingesetzt wurde. Alle Augen waren vitreoretinal voroperiert. Die MTX-Behandlung war in der Einführungsphase nicht standardisiert: 14 Augen erhielten eine dokumentierte MTX-Gabe, 8 Augen mehr als eine Gabe; insgesamt lag der Median bei 1 Gabe (Spanne 1–5). Primärer explorativer Endpunkt war die Freiheit von einer ungeplanten vitreoretinalen Reoperation wegen erneuter PVR bzw. Re-Amotio innerhalb von 90 Tagen. Zusätzlich erfolgte ein explorativer Vergleich mit 60 historischen PVR-Re-Amotio-Augen.

Ergebnisse: Vier Augen mussten innerhalb von 90 Tagen wegen erneuter PVR bzw. Re-Amotio reoperiert werden (Ereignisse an Tag 13, 22, 47 und 85). Die Kaplan-Meier-geschätzte 90-Tage-Reoperationsfreiheit betrug 80,1%. Bei 18/22 Augen lag eine Nachbeobachtung von mindestens 90 Tagen vor; vier Augen wurden zuvor ereignisfrei zensiert. Bei der letzten dokumentierten Kontrolle war die Netzhaut bei allen 22 Augen anliegend, teilweise jedoch nach weiterer Operation bzw. unter fortbestehender Tamponade. Im historischen Vergleich betrug die rohe 90-Tage-Reoperationsrate 16,2% in der MTX-Kohorte gegenüber 13,3% in der Referenzkohorte.

Schlussfolgerung: Der adjuvante Einsatz von intravitrealem MTX bei voroperierten PVR-Grad-C-Augen erscheint klinisch praktikabel und war in dieser Pilotserie mit einer hohen finalen anatomischen Anlagerate verbunden. Ein zusätzlicher Effekt auf die frühe Reoperationsrate lässt sich aufgrund der kleinen Fallzahl, heterogener MTX-Regime und des nicht randomisierten historischen Vergleichs nicht nachweisen. Die Ergebnisse sprechen für eine weitere Untersuchung in einem standardisierten seriellen Behandlungsschema mit prospektiv definierten Endpunkten.