Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Gichtarthritiden im Setting der allogenen Stammzelltransplantation – eine Fallserie
Text
Einleitung: Die Hyperurikämie zählt zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen in der westlichen Welt, wobei die Gichtarthritis eine relevante Manifestation darstellt. Allgemeine Risikofaktoren und Komorbiditäten sind gut untersucht und bekannt.
Patienten/-innen mit hämatoonkologischen Grunderkrankungen und allogener Stammzelltransplantation stellen hier ein gesondertes Patientenkollektiv dar, weshalb in dieser Fallserie acht Patienten/-innen mit Gichtarthritis im Rahmen des Stammzelltransplantationssettings untersucht wurden.
Methoden: Acht erwachsenen Patienten/-innen, die im Zeitraum von 2021–2023 am Universitätsklinikum Tübingen eine allogene Stammzelltransplantation im Rahmen einer hämatoonkologischen Grunderkrankungen erhielten und während des stationären Transplantationsaufenthaltes eine Gichtarthritis entwickelten, wurden retrospektiv anhand der Aktenlage bezüglich Risikofaktoren zur Entstehung der Gichtarthritis untersucht. Die Diagnose einer Gichtarthritis wurde klinisch sowie sonografisch gestellt.
Ergebnisse: Die häufigste und als Indikation der Stammzelltransplantation bestehende Grunderkrankung waren Myeloproliferative Neoplasie (n=5). Die Mehrzahl der Patienten/-innen war männlich (n=6), übergewichtig (n=6) und entwickelten eine Podagra (n=5). Drei Patienten/-innen boten jedoch eine Oligoarthritis. Als Konditionierungstherapie wurden Fludarabin (n=8) in Kombination mit Busulfan (n=4) oder Treosulfan (n=4) eingesetzt. Während der Konditionierungstherapie erhielten alle Patienten/-innen zur Tumorlysesyndromprophylaxe Urikostatika. Erhöhte Harnsäurewerte zwischen Konditionierungstherapiebeginn und Auftreten der Gichtarthritis lagen bei 5 Patienten/-innen vor, wobei bei weiteren 2 Patienten/-innen erhöhte Harnsäurewerte in der Vorgeschichte vermerkt waren. Der mediane Harnsäurewert betrug 9,45 mg/dl (range 5,2–13,7).
Im Median wurden die Patienten/-innen 25 Tage nach Konditionierung (range: 15–39) bzw. 17 Tage nach Stammzelltransplantation (range 6–33) erstmals im Rahmen der Gichtarthritis symptomatisch. Alle Patienten/-innen waren zu diesem Zeitpunkt neutropen und wiesen im Median 330 neutrophile Granulozyten/µl (range 10–1460) auf. Zum Zeitpunkt der Gichtarthritis betrugen die Nierenretentionsparameter (Kreatinin) im Median 1,1 mg (dl (range: 0,6–3,4), wobei bei der Hälfte der Patienten eine Erhöhung der Nierenretentionsparameter (alters- und geschlechtsadaptiert) vorlag.
Schlussfolgerung: Allgemeingültige Risikofaktoren zur Entstehung einer Gichtarthritis wie Geschlecht, Übergewicht und erhöhte Harnsäurewerte spielen auch bei allogen stammzelltransplantierten Patienten/-innen eine Rolle. Eine Nierenschädigung als weiterer Risikofaktor war lediglich bei der Hälfte der Patienten zu beobachten. Gichtarthritiden in Neutropenie treten allgemein selten auf, wobei alle Patienten/-innen dieser Fallserie eine therapieassoziierte Neutropenie aufwiesen. Das, in der Mehrheit des Patientenkollektivs, vorliegende Krankheitsbild der Myelofibrose sollte in Hinblick eines erhöhten Risikos zur Entstehung der Gichtarthritis im Vergleich zu anderen hämatologischen Erkrankungen untersucht werden.
Offenlegungserklärung: Es bestehen keine Interessenkonflikte der Autoren hinsichtlich dieser Studie.



