Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Assoziation des vaskulären Phänotyps mit kognitiven Testleistungen in der Riesenzellarteriitis
Text
Einleitung: Bei der Riesenzellarteriitis (RZA) wird zwischen einem kranialen Phänotyp (k-RZA) und einem Großgefäßphänotyp (G-RZA) unterschieden. Eine Großgefäßbeteiligung ist dabei mit einem geringeren Risiko mikrovaskulärer, ophthalmologischer Perfusionsstörungen assoziiert [1]. Ob sich die phänotypische Ausprägung auch auf das Risiko neurologisch-funktioneller Einschränkungen auswirkt, ist bislang nicht untersucht. Ziel dieser prospektiven Studie war die erstmalige phänotypabhängige Erfassung kognitiver Funktionseinschränkungen bei neu diagnostizierter RZA.
Methoden: In einer prospektiven longitudinalen Beobachtungsstudie wurden Patienten mit neu diagnostizierter RZA rekrutiert. Patienten mit bilateraler Erblindung wurden ausgeschlossen. Alle Patienten erhielten eine standardisierte vaskuläre Ultraschalluntersuchung der Arteria temporalis superficialis und ihrer Äste, der Arteria axillaris, brachialis, subclavia und carotis communis. Ahand der Bildgebung erfolgte die verblindete, phänotypische Zuordnung G-RZA und isolierte k-RZA.
Die kognitive Leistungsfähigkeit wurde bei Diagnose (Baseline), sowie nach drei–sechs (T1), neun–zwölf (T2) und 15–18 (T3) Monaten erhoben. Hierzu wurden der Mini-Mental-Status (MMS), und der Montreal Cognitive Assessment (MoCA) Test durchgeführt. Die Testergebnisse wurden als kontinuierliche Variablen (lineare Mixed-Effects-Modelle) und dichotome Endpunkte (pathologisch ja/nein, logistische Regressionsmodelle) für wiederholte Messungen analysiert.
Ergebnisse: Es wurden 92 Patienten (43 Frauen) mit RZA eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug 73,3±10,0 Jahre. Davon wurden 54 Patienten der G-RZA (72,9±10,8 Jahre), und 38 Patienten der k-RZA (74,0±8,9 Jahre) zugeordnet. Bei Diagnosestellung lagen MMS- und MoCA-Scores bei k-RZA niedriger als bei G-RZA (27,6±2,5; 25,1±4,2 vs. 28,5±1,0; 26,7±1,8; Abbildung 1 [Abb. 1]). Pathologische MMS- und MoCA-Befunde zeigten sich bei k-RZA in 30,0% (6/20) bzw. 40,0% (8/20) und bei G-RZA in 11,5% (3/26) bzw. 28,0% (7/25).
Abbildung 1: Kognitive Testleistungen bei neu diagnostizierter Riesenzellarteriitis in Abhängigkeit vom vaskulären Phänotyp. Abbildung 1 zeigt kognitiven Testleistungen (MMS/ MoCA) von Patienten mit neu diagnostizierter Riesenzellarteriitis in Abhängigkeit vom vaskulären Phänotyp bei Diagnosestellung sowie im Verlauf nach drei–sechs (T1), neun–zwölf (T2) und 15–18 (T3) Monaten.
In der longitudinalen Analyse mittels linearer Mixed-Effects-Modellierung war eine G-RZA mit höheren MMS- und MoCA-Werten assoziiert. In den visitenadjustierten Modellen ergaben sich Effektstärken von β=1,22 für den MMS (95%-KI 0,42–2,03; p=0,003) und β=1,45 für den MoCA (95%-KI 0,37–2,53; p=0,008). In logistischen Regressionsmodellen für wiederholte Messungen war eine G-RZA mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit für einen pathologischen MMS-Befund assoziiert (OR=0,24; 95 %-KI 0,12–0,49; p<0,001) nicht jedoch für einen pathologischen MoCA-Befund (OR=0,62; 95 %-KI 0,28–1,37; p=0,236).
Schlussfolgerung: Diese Studie liefert erstmals Hinweise auf phänotypabhängige Unterschiede der kognitiven Funktion bei neu diagnostizierter RZA. Eine Großgefäßbeteiligung war mit besseren kognitiven Testleistungen assoziiert. Dies könnte auf unterschiedliche Muster neurologisch-funktioneller Beeinträchtigungen in Abhängigkeit vom vaskulären Phänotyp in der RZA hindeuten.
Offenlegungserklärung: Die Autoren erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.



