Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Langfristige Sicherheit und Wirksamkeit von Anti-CD19-CAR-T-Zelltherapie bei ANCA-assoziierter Vaskulitis
Text
Einleitung: Die B-Zell-Depletion mittels Rituximab stellt die Therapie der Wahl bei ANCA-assoziierter Vaskulitis dar. Dennoch erreicht ein Teil der Patient:innen keine anhaltende Remission oder erleidet rezidivierende Krankheitsschübe (Smith, et al. Arthritis Rheum 2012; Pagnoux, et al. Arthritis Rheum 2008). In diesen refraktären Fällen hat die Anti-CD19-chimäre Antigenrezeptor(CAR)-T-Zell-Therapie kurzfristige klinische Vorteile gezeigt und könnte eine alternative therapeutische Option darstellen (Minopoulou, et al. Ann Rheum Dis 2025; Uhlmann, et al. Ann Rheum Dis 2025). Langfristige Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Anti-CD19-CAR-T-Zell-Therapie bei Patient:innen mit ANCA-assoziierter Vaskulitis sind jedoch bislang begrenzt.
Methoden: Zwei therapierefraktäre Patienten mit Proteinase-3 (PR3)-ANCA-assoziierter Vaskulitis wurden an zwei akademischen Zentren mit Mivocabtagene Autoleucel (miv-cel), einer autologen, vollständig humanen Anti-CD19-CAR-T-Zell-Therapie behandelt. Vor der Anti-CD-19-CAR-T-Zell-Infusion erfolgte eine standardisierte Lymphodepletion mit Fludarabin und Cyclophosphamid (Minopoulou, et al. Ann Rheum Dis 2025; Uhlmann, et al. Ann Rheum Dis 2025). Die Nachbeobachtungszeit betrug bis zu 21 Monate nach CAR-T-Zell-Infusion (Tabelle 1 [Tab. 1]). Die Sicherheit wurde anhand des Auftretens eines Zytokinfreisetzungssyndroms (CRS), eines mit Immuneffektorzellen assoziierten Neurotoxizitätssyndroms (ICANS), von Zytopenien sowie von Infektionen beurteilt. Die Wirksamkeit wurde mittels des Birmingham Vasculitis Activity Score (BVAS, Version 3) und des Vasculitis Damage Index (VDI) evaluiert.
Tabelle 1: Patientencharakteristika
Ergebnisse: Beide Patienten erfüllten die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2022 für Granulomatose mit Polyangiitis. Es handelte sich um zwei männliche Patienten im Alter von 52 bzw. 40 Jahren, die auf mehrere immunsuppressive Therapielinien nicht ausreichend angesprochen hatten (Tabelle 1 [Tab. 1]). Die Erstdiagnose einer ANCA-assoziierten Vaskulitis lag bei Patient 1 bereits 20 Jahre zurück, während Patient 2 erst 12 Monate vor Anti-CD19-CAR-T-Zell-Therapie diagnostiziert worden war. Zu Beginn der Behandlung wiesen beide Patienten relevante Organschäden auf (VDI 6 bzw. 8). Bei der letzten Nachuntersuchung 20 bzw. 21 Monate nach CAR-T-Zell-Infusion befanden sich beide Patienten in anhaltender klinischer Remission (BVAS = 0) trotz dem vollständigen Absetzen sämtlicher immunsuppressiver Therapien, einschließlich Glukokortikoiden. Während des gesamten Nachbeobachtungszeitraums traten keine neuen Organschäden auf; der VDI blieb stabil. Bezüglich der Sicherheit entwickelte Patient 1 ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) Grad 1. Hinweise auf eine Neurotoxizität zeigten sich bei keinem der beiden Patienten. Beide Patienten entwickelten eine vorübergehende Leukopenie; bei Patient 2 trat zusätzlich eine transiente Hypogammaglobulinämie auf, die eine Substitution von Immunglobulin G erforderlich machte. Eine schwere Infektion (Pneumonie) mit Bedarf einer antibiotischen Therapie wurde bei Patient 2 dokumentiert. Weitere Infektionen verliefen mild (zwei Infektionen der oberen Atemwege sowie eine Follikulitis). Opportunistische Infektionen wurden nicht beobachtet. Nach der CAR-T-Zell-Therapie wurde bei beiden Patienten eine ausgeprägte B-Zell-Depletion erreicht. Bei Patient 1 trat nach fünf Monaten eine B-Zell-Rekonstitution ein, während bei Patient 2 bis zur letzten Nachuntersuchung keine Erholung der B-Zell-Zahlen nachweisbar war (Tabelle 1 [Tab. 1]). Beide Patienten zeigten im Verlauf eine ANCA-Serokonversion. Bei der letzten Kontrolle wies Patient 1 leicht erhöhte PR3-ANCA-Titer auf (25,3 AU/ml; Obergrenze des Normalbereichs <20 AU/ml), während Patient 2 seronegativ blieb.
Schlussfolgerung: Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass die Anti-CD19-CAR-T-Zell-Therapie mit miv-cel bei Patient:innen mit refraktärer ANCA-assoziierter Vaskulitis langfristig sowohl wirksam als auch sicher sein könnte. Diese Ergebnisse sollten in prospektiven, kontrollierten klinischen Studien systematisch überprüft werden.
Offenlegungserklärung: Ioanna Minopoulou AbbVie, Novartis, BMS, Luisa Uhlmann: None declared, Fredrik N. Albach: None declared, Anna Henning: None declared, Hector Rincon-Arevalo: None declared, Arnd Kleyer AbbVie, Alfasigma, Bristol-Myers Squibb, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis, and UCB, AbbVie, Bristol-Myers Squibb, Gilead Sciences, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis, and UCB, Anja Fleischmann: None declared, Dominic Borie Kyverna Therapeutics, Kyverna Therapeutics, Vincent Casteleyn AbbVie, Robert Biesen: None declared, Thomas Dörner AbelZeta, BMS, J&J, Novartis, and Roche/Genentech, Kamran Movassaghi: None declared, Tobias Alexander: None declared, Ulf Wagner: None declared, Vladan Vucinic: None declared, Klaus Metzeler: None declared, Marie Luise Hütter-Krönke: None declared, Adrian Schreiber: None declared, Udo Schneider: None declared, Lars Bullinger: None declared, Eva Schrezenmeier: None declared, Gerhard Krönke Kyverna Therapeutics, AbbVie, Lilly, Novartis, J&J, Kyverna Therapeutics, Olaf Penack Alexion, Gilead, Jazz, MSD, Neovii, Novartis, Pfizer, and Therakos, Apogepha, Alexion, Equillium Bio, Jazz, Gilead, Novartis, MSD, Omeros, Orca Bio, Priothera, Sanofi, Shionogi, and SOBI, Incyte and Priothera, Matthias Pierer: None declared, David Simon AbbVie, Alfasigma, Bristol- Myers Squibb, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis, Kyverna Therapeutics and UCB, AbbVie, Bristol-Myers Squibb, Gilead Sciences, Janssen-Cilag, Lilly, Novartis, and UCB



