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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Mehr als eine Drüsenerkrankung – Organmanifestationen beim Sjögren-Syndrom

Tobias Hoffmann - Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin III, Jena, Deutschland
Alina Lange - Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin III, Jena, Deutschland
Gunter Wolf - Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin III, Jena, Deutschland
Alexander Pfeil - Universitätsklinikum Jena, Klinik für Innere Medizin III, Jena, Deutschland

Text

Einleitung: Das Sjögren-Syndrom manifestiert sich typischerweise an den exokrinen Drüsen, insbesondere im Bereich der Speicheldrüsen, während Daten zur extraglandulären Organbeteiligungen begrenzt sind. Ziel dieser Auswertung war die systematische Erfassung der Organmanifestationen bei Patient:innen mit neu diagnostiziertem Sjögren-Syndrom anhand eines standardisierten Organscreenings.

Methoden: In diese monozentrische Auswertung wurden 118 konsekutive Patient:innen (102 Frauen und 16 Männer, mittleres Alter 55,6 ± 14,6 Jahre) mit einem Sjögren-Syndrom eingeschlossen. Vor bzw. im Rahmen der Diagnosestellung erfolgte ein strukturiertes Organscreening in Anlehnung an das von Hofmann et al. publizierte systematische Organ-Screeningkonzept für entzündlich rheumatische Erkrankungen [1], einschließlich gezielter klinischer Untersuchung sowie laborchemischer, bildgebender und ggf. histologischer Diagnostik von Lunge, Herz, Niere, zentralem Nervensystem (ZNS), Gelenken und Haut. Zusätzlich wurden serologische Autoantikörper (ANA-Titer sowie Autoantikörper gegen Ro52, Ro60 und La) und Gamma-Globulinspiegel erfasst.

Ergebnisse: Von 118 Patient:innen wiesen 77 (65,3%) keine extraglanduläre Organbeteiligung auf, während 41 (34,7%) mindestens eine Organmanifestation zeigten. Eine Organbeteiligung lag bei 30 Patient:innen (25,4%) vor, zwei Organbeteiligungen bei 10 (8,5%) und drei Organbeteiligungen bei 1 Patient:in (0,8%). Am häufigsten betroffen waren Lunge (n = 15; 12,7%), Gelenke (n = 9; 7,6%), Haut (n = 9; 7,6%), gefolgt von Nierenbeteiligung (n = 2; 1,7%) und ZNS-Beteiligung (n = 1; 0,8%). Die immunologischen Untersuchungen ergaben, dass 91,5% der Patienten einen positiven ANA-Titer (> 1:80; Referenz: negativ) aufwiesen. Des Weiteren wurde bei 75,4% der Patienten ein Autoantikörper gegen Ro52-, bei 80,5% ein Autoantikörper gegen Ro60- und bei 44,9% ein Autoantikörper gegen La festgestellt, die mit erhöhten Gamma-Globulinen assoziiert waren (20,3 ± 6,2%, Referenzwert: 11,1–18,8%).

Schlussfolgerung: In dieser Kohorte wies etwa ein Drittel der Patient:innen mit einem Sjögren-Syndrom eine extraglanduläre Organmanifestationen auf, wobei insbesondere pulmonale und muskuloskelettale Beteiligungen im Vordergrund standen. Ein strukturiertes, organspezifisches Screening nach einem standardisierten Algorithmus ermöglicht das frühzeitige Erkennen klinisch relevanter Organbeteiligungen und sollte fester Bestandteil der initialen Diagnostik bei einem Sjögren-Syndrom sein, um entsprechend die immunsuppressive Therapie ausrichten zu können.


References

[1] Hoffmann T, Oelzner P, Busch M, Franz M, Teichgräber U, Kroegel C, Schulze PC, Wolf G, Pfeil A. Organ Manifestation and Systematic Organ Screening at the Onset of Inflammatory Rheumatic Diseases. Diagnostics (Basel). 2021 Dec 29;12(1):67. DOI: 10.3390/diagnostics12010067