Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Levothyroxin-Substitution ohne nachteiligen Einfluss auf Knochendichte und Strukturparameter bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen: Longitudinale Analyse einer prospektiven Kohorte
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Einleitung: Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Osteoporose. Sowohl Hyperthyreose als auch Hypothyreose gelten als etablierte Risikofaktoren für Osteoporose. Etwa 10–26% der Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen benötigen eine Levothyroxin-Substitution [1]. Neuere Daten deuten darauf hin, dass Levothyroxin die Knochengesundheit auch bei TSH-Werten im therapeutischen Zielbereich ungünstig beeinflussen könnte [2]. Langzeitdaten über mehr als 1–2 Jahre fehlen jedoch bislang, insbesondere für Menschen mit iRMDs. Ziel der Analyse war es zu untersuchen, ob eine Levothyroxin-Substitution bei TSH-Werten im Referenzbereich mit Veränderungen der Knochenmineraldichte (BMD), des Trabecular Bone Score (TBS), femoraler Strukturparameter, Knochenstoffwechselmarkern sowie mit inzidenten Frakturen bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen assoziiert ist.
Methoden: Rh-GIOP ist eine prospektive Beobachtungskohorte zur Untersuchung der Knochengesundheit bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Alle Patienten erhielten DXA-Untersuchungen und knochenrelevante Variablen inklusive bekannter Risikofaktoren wurden prospektiv erfasst. In die vorliegende Analyse wurden alle Patienten eingeschlossen, für die Daten bis zum zweiten Follow-up zwischen 2015 und 2024 vorlagen. Die Nachbeobachtung erfolgte entsprechend der klinischen Routine.
Einnahme und Dosierung von Levothyroxin wurden anhand der Krankenakte und der Patientenangaben erfasst; bei Diskrepanzen erfolgte eine erneute Befragung. Die TSH-Werte wurden zu Baseline und im Verlauf routinemäßig bestimmt. Primäre Endpunkte waren die T-Scores an Lendenwirbelsäule und Gesamthüfte sowie mikroarchitektonische Parameter, insbesondere der TBS der Lendenwirbelsäule und 3D-DXA-abgeleitete femorale Strukturparameter. Zusätzlich wurden Knochenstoffwechselmarker wie Desoxypyridinolin (DPD), knochenspezifische alkalische Phosphatase (Ostase) und Osteocalcin als Outcome-Paramter analysiert.
Zur Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Levothyroxintherapie und den Zielvariablen im Zeitverlauf wurden lineare gemischte Modelle berechnet, stratifiziert nach TSH-Kategorien (unterhalb des Normbereichs, unterer Normbereich, oberer Normbereich, oberhalb des Normbereichs). Zur Berücksichtigung potenzieller Störfaktoren erfolgte eine Gewichtung mittels Propensity Scores. In die Modelle gingen unter anderem Grunderkrankung, Alter, Geschlecht, BMI, Glukokortikoiddosis, C-reaktives Protein, funktionelle Einschränkung, Komorbiditätslast, Nierenfunktion, Protonenpumpeninhibitor-Therapie und körperliche Aktivität ein. Fehlende Werte wurden durch multiple Imputation mittels Predictive Mean Matching ersetzt.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 2.079 Patienten eingeschlossen (75% Frauen, mittleres Alter 63 ± 13 Jahre), davon erhielten 19 % bereits zu Baseline Levothyroxin. 757 Patienten hatten mindestens ein Follow-up (mittlere Nachbeobachtungszeit 2,7 ± 1,3 Jahre), 287 Patienten ein zweites Follow-up (mittlere Nachbeobachtungszeit 4,6 ± 1,4 Jahre). Im Beobachtungszeitraum lagen die TSH-Werte bei 10% der Patienten im oberen Normbereich, bei 85 % im unteren Normbereich, bei 4% oberhalb und bei 1% unterhalb des Normbereichs. Inzidente Frakturen traten bei 51 Patienten auf.
Eine Levothyroxin-Substitution war in keiner TSH-Kategorie mit einer ungünstigeren BMD an Lendenwirbelsäule oder Hüfte, einem niedrigeren TBS, nachteiligen femoralen Strukturparametern, veränderten Knochenstoffwechselmarkern oder einer erhöhten Frakturinzidenz assoziiert.
Schlussfolgerung: Bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen war eine Levothyroxin-Substitution im TSH-Referenzbereich auch über mehrere Jahre nicht mit nachteiligen Effekten auf die Knochengesundheit assoziiert.
Offenlegungserklärung: Die Rh-GIOP-Studie wird bzw. wurde durch eine gemeinsame Förderung von AbbVie, Amgen (Horizon Therapeutics), Alfasigma, Almirall, Biogen, BMS, Chugai, Fresenius Kabi, Galapagos, Generic Assays, GSK, Hexal, Lilly, Medac, Mundipharma, Novartis, Pfizer, Roche, Sanofi-Genzyme und UCB unterstützt. Die Unternehmen hatten Gelegenheit, eine vorläufige Fassung des Manuskripts ausschließlich hinsichtlich der medizinischen und datenbezogenen Korrektheit zu prüfen. Die Verantwortung für den endgültigen Inhalt und die Interpretation der Daten liegt ausschließlich bei den Autoren.
References
[1] Rahmouni S, Dhifallah M, Mrad M, Bouallègue E, Zouaoui K, Krir A, Rekik S, Wahabi H, Boussaid S, Sahli H, Bahlous A. Prevalence and impact of thyroid dysfunction in patients with rheumatoid arthritis. Sci Rep. 2025 Oct 3;15(1):34491. DOI: 10.1038/s41598-025-13650-8[2] Ghotbi, E, Simonsick E, Demehri S, et al. Levothyroxine Use and Bone Loss in Euthyroid Older Adults: A Longitudinal Analysis from Baltimore Longitudinal Study of Aging. Poster #S3B-SPMS. RSNA; 2024 Dec 1-5; Chicago, Illinois.



