Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Vorgeschichte: Ein 31-Jähriger Patient mit Diabetes mellitus Typ 1 und einer Zöliakie bemerkte zunächst ab 12/2022 blutigen Husten und Schnupfen, welchen er auf trockene Schleimhäute zurückführte. Es erfolgte keine weitere Abklärung. Anfang 04/2024 litt der Patient an einem respiratorischen Infekt. 2,5 Wochen später alarmierte er bei Ruhedyspnoe den Notarzt.
Leitsymptome bei Krankheitsmanifestation: Ruhedyspnoe mit Hämoptysen und blutiger Rhinorrhoe, Raumluftsättigung bei Aufnahme 68%
Diagnostik: CT-Thorax mit KM: Diskreter Perikarderguss und diskrete Pleuraergüsse bds. In allen Lungenlappen ausgeprägte, teils konfluierende peribronchovaskuläre Milchglasinfiltrate. Deutliche bihiläre Lymphadenopathie. Splenomegalie.
Bronchoskopie mit Lavage: Diffuse Hämorrhagie
Labor: Kreatinin 1,5 mg/dl, eGFR (CKD-EPI Krea) 61 ml/min, LDH 783 U/l, Bilirubin gesamt 1,8 mg/dl, Haptoglobin <10 mg/dl, CRP < 0.1, Leukozyten 8,75 G/L, Hb 7,5 g/dl, Thrombozyten 142 G/L, Fragmentozyten < 1‰, 305 mg/g Kreatinin Eiweiß, eumorphe Mikrohämaturie
Immunserologie: C3 43 mg/dl, C4 3 mg/dl, anti-dsDNA-Ak 42.4 IU/ml, ANA 1:800, anti-MPO-Ak 11 U/ml, anti-Jo1-Ak positiv, positiver direkter Coombs-Test (IgG 4+, C3d 2+), Nachweis von Wärme-Autoantikörpern
Nierenbiopsie: Extrakapillär proliferierende und nekrotisierende IgA-Glomerulonephritis mit 2 zellulären, 2 fibrozellulären und 2 fibrösen extrakapillären Proliferaten sowie einer isolierten Schlingennekrose in 17 Glomeruli. Keine noduläre diabetische Glomerulosklerose.
Genetik: heterozygote Frameshift Variante im AIRE-Gen
Therapie: Therapie mittels High-Flow und später NIV. Initial iv Glukokortikoid und 5 Sitzungen Plasmaseparation sowie 4x375 mg/sqm KOF Rituximab plus Hydroxychloroquin und Mycophenolatmofetil.
Weiterer Verlauf: Zunächst Glukokortikoid-abhängiger Verlauf mit Rekurrenz der Hämoptysen, Dyspnoe und Allgemeinsymptom ab 20 mg Prednisolon/Tag. Unter Steigerung Mycophenolatmofetil 3 Episoden einer Neutropenie. Nach Pausieren Rezidiv.
01/2025 erneut 5 Sitzungen Plasmaseparation, Umstellung auf Obinutuzumab und Mycophenolatmofetil in reduzierter Dosis. 02/2025 erneutes Rezidiv und Hinzunahme Tacrolimus. Bei ausbleibender Wirkung Umstellung auf Azathioprin, erneut Neutropenie.
Ab 08/2025 Ruxolitinib 10 mg/Tag. Hierunter erstmalig Ausschleichen des Prednisolons bei stabiler, niedriger Krankheitsaktivität möglich.
Mutationen im AIRE-Gen führen klassischerweise zum autoimmunen polyendokrinen Syndrom 1 (APS-1) mit mukokutaner Candidiasis, Nebenniereninsuffizienz und einem Hypoparathyreoidismus. Hierbei entkommen autoreaktive T-Zellen der negativen Selektion im Thymus, infiltrieren und schädigen unterschiedliche Organe. Die Patienten weisen Autoantikörper gegen Zytokine und/oder Organe auf. Ein Mediator dieser Schädigung ist Interferon γ, dessen Effekte durch Januskinasen (JAK) übermittelt werden. Eine Pilotstudie mit 5 APS-1 Patienten zeigte eine gute Wirksamkeit dieses JAK-Inhibitors [1].



