Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Primär infektiös – sekundär autoimmun? Eine diagnostische Spurensuche
Text
Vorgeschichte: Ein 44-jähriger Mann wurde bei Verdacht auf systemischen Lupus erythematodes (SLE) aufgrund eines seit Monaten bestehenden palmoplantaren Exanthems, Fatigue und diffusem Haarverlust vorstellig. Der Patient wurde kurz zuvor über mehrere Tage mit Prednisolon behandelt. Hierauf folgte die Entwicklung einer bakteriellen Bursitis des Ellenbogens, die operativ versorgt werden musste. Wenige Monate vor Auftreten des Exanthems ist der Patient aufgrund einer Pneumonie zur antiinfektiven Therapie über wenige Tage stationär aufgenommen worden. Im zeitlichen Zusammenhang mit diesem Krankenhausaufenthalt trat eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) auf, die über drei Monate mit einem direkten oralen Antikoagulanz (DOAK) adressiert wurde. Vor etwa 10 Jahren wurde nach einem Fahrradsturz mit Knietrauma ebenfalls eine TVT festgestellt, wobei eine primäre Thrombophilie nach Angabe des Patienten ausgeschlossen wurde. Andere venöse oder arterielle thrombotische Ereignisse sowie sonstige Erkrankungen oder eine regelhafte Einnahme von Medikamenten wurden verneint.
Leitsymptome bei Krankheitsmanifestation: Palmoplantares Exanthem, Fatigue, diffuser Haarverlust, Thromboseneigung sowie Hinweise auf eine Immundefizienz.
Diagnostik: Klinisch zeigten sich dezente rot-bräunliche Makulae palmar und plantar sowie eine diffuse Alopezie, die übrige körperliche Untersuchung war unauffällig. Laborchemisch fanden sich eine milde Panzytopenie, erhöhte Akutphaseparameter, eine oligoklonale Gammaglobulinämie, positive ANAs (1:1.280, AC-1), erhöhte dsDNA-Antikörper und erniedrigtes C4-Komplement. Die erweiterte Diagnostik bot zusätzlich eine Triple-Positivität von hochtitrigen aPL-AK (Antiphospholipid-Antikörper; IgG und IgM), HIV-Antikörper mit einer Viruslast von 159.000/ml (CD4-T-Zellen quant. 278/µl) sowie eine positive Lues-Serologie.
Es wurden die Diagnosen einer Syphilis im Sekundärstadium, einer HIV-Infektion und der hochgradige Verdacht auf ein triple-positives Antiphospholipid-Syndrom (APS) gestellt.
Therapie: Eine orale Antikoagulation mit Marcumar® wurde eingeleitet sowie eine antiinfektive Therapie begonnen.
Weiterer Verlauf: Auch wenige Wochen nach Therapiebeginn persistierten die aPL-Antikörper, sodass auch weiter von deren thrombogenem Potenzial ausgegangen werden musste. Das Exanthem verblasste, das Haarwachstum nahm wieder zu und der Allgemeinzustand verbesserte sich zügig unter antiinfektiver Therapie. Der Fall illustriert die Syphilis und HIV-Infektion als wichtige „Mimiker“ eines SLE mit vermutlich parainfektiöser Autoantikörperbildung wie dsDNA- und aPL-Antikörpern. Wenn auch selten, können diese Antikörper pathophysiologische Bedeutung im klinischen Erscheinen dieser Infektionserkrankungen haben [1]. Im präsentierten Fall ist jedoch die genaue Differenzierung zwischen primärem, sekundärem oder infekt-getriggertem APS erschwert, was die Komplexität dieses Krankheitsbilds unterstreicht.
Offenlegungserklärung: Es bestehen keine Interessenskonflikte.
Abbildung 1 [Abb. 1]
Abbildung 1: Palmoplantares Exanthem aus teils konfluierenden, erythematösen Makulae bei Erstvorstellung des Patienten



