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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Neue Eosinophilie als Zeichen des Ansprechens einer Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie – oder doch vielmehr krankheitsassoziiert?

Didzis Gailis - LMU Klinikum, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Matthias Thaler - LMU Klinikum, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Nina Hesse - LMU Klinikum, Klinik und Poliklinik für Radiologie, München, Deutschland
Alla Skapenko - LMU Klinikum, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Hendrik Schulze-Koops - LMU Klinikum, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland

Text

Vorgeschichte: Eine 43-jährige Patientin stellte sich zur rheumatologischen Abklärung bei neu aufgetretenen Arthralgien unter laufender Immuncheckpoint-Inhibitor-(ICI)-Therapie vor. Die Erstdiagnose eines kutanen Melanoms am rechten Unterlid (TD 4,1 mm; pT4b pN1b M1d, Stadium IV nach AJCC 2017) erfolgte im Juni 2019. Die onkologische Vorbehandlung umfasste Dacarbazin (2 Zyklen, 01–02/2023), Ipilimumab/Nivolumab (4 Zyklen, 02–05/2023), eine Stereotaxie zerebraler Metastasen frontal links (02/2023 und 11/2023) sowie eine seither laufende Nivolumab-Monotherapie mit zuletzt anhaltender intrakranieller Remission (09/2025). Nebenbefundlich bestand eine Hypereosinophilie, die initial als Therapieansprechen gewertet wurde.

Seit September 2025 berichtete die Patientin über myalgische Beschwerden beider Unterarme mit progredienter lokaler Hautverhärtung sowie multiple Arthralgien (MCP-Gelenke der rechten Hand, beider Ellenbogen und Kniegelenke) mit nächtlichem Beschwerdemaximum und Betonung nach Ruhephasen.

Leitsymptome bei Krankheitsmanifestation: Myalgien, lokale Verhärtung der Haut beider Unterarme, Arthralgien.

Diagnostik: Klinisch imponierte eine induriert wirkende Haut beider Unterarme (links > rechts) mit angedeutetem Groove-Zeichen links. Laborchemisch fand sich ein ANA-Titer von 1:400 bei negativem ENA-Screening sowie eine absolute Eosinophilie von 1,7 G/L (21%), erstmals Januar 2026, seither persistierend. Ein Magnetresonanztomographie (MRT) der rechten Hand zeigte eine Tenosynovitis sowie eine ausgeprägte Fasziitis der Muskulatur am Thenar, Hypothenar und der kurzen Handmuskeln.

In der Gesamtschau stellten wir die Diagnose eines hochgradigen Verdachts auf eine eosinophile Fasziitis, gestützt auf Hypereosinophilie, klinische Hautverhärtung und MRT-morphologischen Fasziitisnachweis.

Therapie: Bei Verdacht auf eine ICI-induzierte eosinophile Fasziitis wurde Prednisolon 20 mg/Tag eingeleitet, parallel eine glukokortikoidsparende Therapie mit Methotrexat (MTX) 15 mg s.c. wöchentlich und Folsäure 5 mg. Die Nivolumab-Therapie wurde bei anhaltender onkologischer Remission fortgeführt.

Weiterer Verlauf: Die ICI-assoziierte eosinophile Fasziitis ist eine seltene, aber zunehmend beschriebene rheumatische immunvermittelte Nebenwirkung (rh-irAE). Biteau et al. fassten in der bislang umfassendsten Übersichtsarbeit 30 Fälle zusammen; die Mehrzahl trat unter Anti-PD-1-Monotherapie auf, mit einem medianen Intervall von 10–12 Monaten bis zur Symptommanifestation [1].

Bemerkenswert ist die duale Rolle der Eosinophilie unter ICI-Therapie: Erhöhte Eosinophilenzahlen werden einerseits als Surrogatmarker eines günstigen Tumoransprechens diskutiert, können andererseits jedoch – wie hier – Ausdruck einer schwerwiegenden rh-irAE sein.

Bei einer jungen Patientin mit Zustand nach zerebraler Metastasierung und anhaltender Remission entschieden wir uns bewusst für eine Fortführung der Nivolumab-Therapie. Die niedrig dosierte Glukokortikoidtherapie (Prednisolon 20 mg/Tag) mit frühzeitiger MTX-Einleitung orientierte sich an den aktuellen EULAR Points to Consider, um das Tumoransprechen nicht zu gefährden. Das Therapieansprechen bleibt offen.

Offenlegungserklärung: Keine Interessenskonflikte.


References

[1] Biteau M, Sibaud V, Maria A, Dion J, Uro-Coste E, Siegfried A, Pastissier A, Cougoul P, Delavigne K, Comont T, Rivet V. Immune checkpoint inhibitor-related eosinophilic fasciitis: 3 case reports with literature review. Rev Med Interne. 2025 Jul;46(7):377-385. DOI: 10.1016/j.revmed.2025.05.004