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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Akzeptanz von Biosimilars in der Rheumatologie: Eine Literaturrecherche zur Einstellung von Patienten und Ärzten

Helene Franzius - MVZ Rheumatologie und Autoimmunmedizin Hamburg, Hamburg, Deutschland; Asklepios Campus Hamburg der Semmelweis Universität, Hamburg, Deutschland
Eva Christina Schwaneck - MVZ Rheumatologie und Autoimmunmedizin Hamburg, Hamburg, Deutschland

Text

Einleitung: Seit dem Markteintritt des ersten Biosimilars (Infliximab) in Deutschland ab 2015 hat sich die Therapie mit Biosimilars in der Rheumatologie schnell etabliert. Für zentrale Wirkstoffe wie Infliximab, Etanercept und Adalimumab liegen die Verordnungsanteile inzwischen bei 80–95%. Damit hat Deutschland eine besonders breite Biosimilar-Nutzung. Diese Entwicklung beruht wesentlich auf wirtschaftlichen Steuerungsmechanismen wie Rabattverträgen und regionalen Biosimilar-Quoten, steht jedoch vor klinisch-praktischen und kommunikativen Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund adressiert die Arbeit folgende Fragen: Wie ist die Einstellung von Patienten und Ärzten gegenüber Biosimilars und nicht medizinisch begründeten Therapieumstellungen? Welche Faktoren begünstigen Nocebo-Effekte? Wie werden Patienten künftig mit der Apothekenaustauschbarkeit umgehen?

Methoden: Zur Beantwortung der Fragen wurde eine systematische Literaturrecherche in der Datenbank PubMed durchgeführt. Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien, Zulassungs- und Switch-Studien, Real-World-Analysen sowie systematische Reviews und Metaanalysen zu Biosimilars. Darüber hinaus wurden Arbeiten zu Patienten- und Arztperspektiven, Nocebo-Effekten, Applikationsaspekten sowie gesundheitsökonomischen Fragestellungen berücksichtigt. Zur Darstellung der aktuellen Versorgungs-situation und regulatorischen Rahmenbedingungen wurden ergänzend amtliche Veröffentlichungen und Stellungnahmen von Fachgesellschaften herangezogen.

Ergebnisse: In Deutschland zeigen sich überwiegend stabile klinische Ergebnisse nach Non-Medical Switching. Dennoch beschreibt eine relevante Minderheit subjektive Wirksamkeitsverluste oder Nebenwirkungen, häufig im Sinne Nocebo-assoziierter Effekte oder applikationsbezogener Probleme. Ärztliche Einstellungen sind insgesamt positiv, bleiben jedoch bei apothekenbasierter Substitution zurückhaltend. Wie sich die ab April 2026 geltende Apothekenaustauschbarkeit auf die Einstellung von Patienten auswirken wird, ist bislang nicht durch Real-World-Daten belegt. Erwartet wird jedoch, dass eine solche Substitution bei unzureichender Aufklärung zu mehr Verunsicherung und Nocebo-Effekten führen kann. In den USA ist die Marktdurchdringung von Biosimilars deutlich geringer als in Deutschland, was unter anderem auf gesundheitspolitische Unterschiede im Erstattungs- und Anreizsystem sowie auf eine zurückhaltendere ärztliche Bereitschaft zu nicht medizinisch begründeten Switches zurückgeführt wird.

Schlussfolgerung: Zur weiteren Promotion von Biosimilars sind konsistente, einheitliche Informationsstrategien, strukturierte Schulungsangebote mit Device-Training und eine gezielte Nocebo-Prävention zentral. Die Akzeptanz lässt sich insbesondere durch transparente Aufklärung, Shared-Decision Making, frühe Erfassung von Patient-Reported Outcomes sowie durch verlässliche, praxisnahe Leitlinien zur Apothekenaustauschbarkeit nachhaltig verbessern. In den USA können regulatorische Anpassungen, wie Reformen im Erstattungssystem langfristig zu einer stärkeren Marktdurchdringung von Biosimilars beitragen.

Offenlegungserklärung: Ich erkläre hiermit, dass im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit bzw. der Einreichung dieses Abstracts keine Interessenkonflikte bestehen. Insbesondere bestehen keine finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten, die die Inhalte dieser Arbeit unangemessen beeinflusst haben könnten.


References

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