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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Medikationserleben älterer Patient:innen mit Rheumatoider Arthritis zwischen Selbstwirksamkeit und Selektionsbias – eine qualitative Studie

Felix Mühlensiepen - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland; Zentrum für Versorgungsforschung, Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland; Deutsches Herzzentrum der Charité, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland
Susann May - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland; Zentrum für Versorgungsforschung, Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland; Deutsches Herzzentrum der Charité, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland
Katharina Boy - Zentrum für Versorgungsforschung, Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland
Niklas Ohm - Zentrum für Versorgungsforschung, Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland
Carina Meier - Zentrum für Versorgungsforschung, Zentrum für Versorgungsforschung, Nachwuchsgruppe „User Experience in Digital Health“, Rüdersdorf bei Berlin, Deutschland
Steffen Meixner - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin, Deutschland
Eva Voll - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin, Deutschland
Martin Schäfer - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin, Deutschland
Anja Strangfeld - Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin, Deutschland; Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie, Berlin, Deutschland

Text

Einleitung: Ältere Menschen ab 70 Jahren mit Rheumatoider Arthritis nehmen häufig mehrere Medikamente gleichzeitig ein, wobei die Therapie regelmäßig angepasst werden muss. Eine korrekte Medikamenteneinnahme ist entscheidend für den Behandlungserfolg und die Sicherheit der Betroffenen. Dennoch kommt es sowohl zu unbeabsichtigten Fehlern als auch zu bewussten Abweichungen von der ärztlichen Verordnung – beispielsweise aus Angst vor Nebenwirkungen oder Unsicherheiten über den Nutzen der Behandlung. Wie Betroffene selbst Schwierigkeiten bei der Medikamenteneinnahme wahrnehmen, wurde bisher kaum erforscht. Die Studie untersucht aus Sicht älterer RA-Patient:innen, welche Herausforderungen bei der Medikamenteneinnahme auftreten und welche Ursachen sowie mögliche Folgen von Medikationsfehlern eine Rolle spielen.

Methoden: Zwischen Oktober und Dezember 2025 wurden im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie bundesweit 33 Personen mit RA befragt. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgte gezielt über Register. Die leitfadengestützten Interviews wurden nach der qualitativen Inhaltsanalyse von Kuckartz [1] ausgewertet. Die dargestellten Befunde sind vorläufig und entstammen der noch laufenden Studie.

Ergebnisse: Die meisten Befragten gaben an, sich gut betreut und ausreichend über ihre Medikamente informiert zu fühlen. Die Einnahme sei in der Regel gut organisiert und werde durch persönliche Hilfsmittel wie Pillendosen, Erinnerungshilfen oder Unterstützung durch Angehörige erleichtert. Unerwünschte Wirkungen oder Wechselwirkungen wurden kaum erwähnt. Gleichzeitig äußerten die Teilnehmenden ein starkes Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit: Bei Problemen würden sie gezielt das Gespräch mit ihrer Rheumatologin oder ihrem Rheumatologen suchen. Insgesamt überwog eine positiv geprägte Selbsteinschätzung zur eigenen Medikationssicherheit.

Schlussfolgerung: Die vorläufigen Ergebnisse weisen auf ein ausgeprägtes Kompetenzgefühl älterer RA-Patient:innen im Umgang mit ihrer Medikation hin. Die durchweg positiven Schilderungen legen jedoch nahe, dass die Stichprobe möglicherweise nicht repräsentativ ist: Erreicht wurden vor allem gut organisierte und therapieerfahrene Personen. Zudem ist davon auszugehen, dass das subjektiv empfundene Sicherheitsgefühl nicht zwangsläufig mit der tatsächlichen Medikationssicherheit übereinstimmt – ein bekanntes Phänomen in der Versorgungsforschung. Um ein ausgewogeneres Bild zu erhalten, sollte die Rekrutierung im weiteren Studienverlauf gezielt auf Personen ausgeweitet werden, die negative Erfahrungen mit ihrer Medikation gemacht haben.

Offenlegungserklärung: Diese Studie ist Teil des Projekts AERCOMED (Förderkennzeichen: 01VSF24019), das vom Gemeinsamen Bundesausschuss aus Mitteln des Innovationsfonds gefördert wird.


References

[1] Kuckartz U. Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. 4., überarbeitete Aufl.. Weinheim/Basel: Beltz Juventa; 2018.