Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Zunehmende Verschreibung von Metamizol bei MTX-behandelten Personen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen: Bundesweite Abrechnungsdaten von 2006 bis 2024
Text
Einleitung: Metamizol wird häufig als wirksames und gut verträgliches Schmerzmittel verschrieben. Die gleichzeitige Einnahme von Metamizol und Methotrexat (MTX) erhöht das Risiko einer Agranulozytose und sollte vermieden werden, insbesondere ab 80 Jahren [1], [2]. Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse der Häufigkeit von Metamizol-Verschreibungen und der Risikogrupppen bei MTX-behandelten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE).
Methoden: Identifiziert wurden Barmer-Versicherte (2006-2024) mit ≥2 ICD-10-Codes einer ERE und MTX-Verordnung. Verschreibungen wurden über ATC-Codes identifiziert, kumulative Dosen anhand WHO-definierter Tagesdosen (DDD) berechnet und Komorbiditäten mittels Elixhauser-Score bewertet. Mit einem logistischen Regressionsmodell wurden Odds Ratios (OR) für die Verordnung von Metamizol mit der Verschreibung von Opioiden/Glukokortikoiden (GC)/NSAR/bDMARDs (ja/nein), Geschlecht und Alter als unabhängigen Variablen berechnet. Agranulozytosefälle innerhalb von 90 Tagen nach überlappender MTX und Metamizol-Verordnung wurden über die ICD-10-Codes D70, D61.1, D61.8, D61.9 identifiziert.
Ergebnisse: Metamizol-Verordnungen stiegen von 15% in 2006 auf 32% in 2024, am häufigsten ab 80 Jahre (Tabelle 1 [Tab. 1]). Verschreibungen wurden von Hausärzten (73%), Orthopäden (10%), anderen Fachärzten (10%) und Rheumatologen (8%) ausgestellt. bDMARD-Verordnungen nahmen zu; NSAR, GC und Opioid-Verordnungen waren rückläufig (Abbildung 1 [Abb. 1]).
Tabelle 1: Verschreibungen im Jahr 2024 bei mit MTX behandelten Personen mit ERE. Gezeigt ist Medikamenteneinnahme in % und DDD (definierte Tagesdosis) bezogen auf diejenigen mit einer Verschreibung des jeweiligen Medikaments.
Abbildung 1: Anteil der Personen mit Verschreibungen von Metamizol, Opioiden, bDMARDs, NSAR und GC an allen mit MTX behandelten ERE-Patienten pro Kalenderjahr und Altersgruppe
Die Wahrscheinlichkeit für Metamizol-Verordnungen war höher bei Patienten mit Opioiden (OR 3,6 [3,4; 3,8]), GC (OR 1,6 [1,5; 1,6]), NSAR (OR 1,4 [1,4; 1,5]), bDMARDs (OR 1,1 [1,0;1,2]), weiblichem Geschlecht (OR 1,3 [1,2;1,3]) und höherem Alter (OR pro 10 Jahre 1,2 [1,2;1,3]). Im Vergleich zu rheumatoider Arthritis wurde Metamizol häufiger bei anderen ERE verschrieben, insbesondere bei axialer Spondyloarthritis (OR 1,2 [1,1; 1,4]).
Es gab 55.855 Patienten mit überlappenden Verschreibungen von MTX und Metamizol während des Beobachtungszeitraums, 407 davon wurden innerhalb von 90 Tagen wegen Agranulozytose hospitalisiert. Agranulozytosefälle pro 10.000 Personen betrugen insgesamt 73 und nach Alter 34 (18–39), 11 (40–49), 20 (50–59), 54 (60–69), 91 (70–79), 189 (80–89) und 263 (≥90 Jahre).
Schlussfolgerung: Trotz abratender Empfehlungen wird Metamizol zunehmend bei MTX-behandelten Patienten im hohen Lebensalter verschrieben. Die Zahl hospitalisierter Agranulozytosen nach MTX und Metamizol Gebrauch steigt ab 70 Jahren deutlich an. Eine ausreichend wirksame DMARD-Therapie auch im hohen Lebensalter und interdisziplinäre Informationen über das Risiko einer Agranulozytose sind erforderlich, um alle an der Versorgung von Patienten mit ERE Beteiligten zu erreichen.
Offenlegungserklärung: Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Netzwerks AERCOMED [01VSF24019] gefördert.
Interessenskonflikte: KA keine, JC Vortragshonorar von Janssen, Idorsia, Pfizer, CF Vortragshonorar von und Beratertätigkeit bei MEDAC.
Danksagung: Wir danken der BARMER für die Bereitstellung der Daten für diese Studie und den Forschungspartnerinnen der Rheuma-Liga Birgit Arndt und Annika Spindler im AERCOMED-Projekt dafür, dass sie ihre Zeit zur Verfügung gestellt haben, um die Patientenperspektive in dieses Projekt einzubringen.
References
[1] Hoffmann F, Bantel C, Jobski K. Agranulocytosis attributed to metamizole: An analysis of spontaneous reports in EudraVigilance 1985-2017. Basic Clin Pharmacol Toxicol. 2020 Feb;126(2):116-125. DOI: 10.1111/bcpt.13310[2] Fiehn C, Leipe J, Weseloh C, Bergner R, Krüger K. Assessment of interactions and dosage recommendations of synthetic DMARDs-Evidence-based and consensus-based recommendations based on a systematic literature search. Z Rheumatol. 2024 Feb;83(Suppl 1):8-19. English. DOI: 10.1007/s00393-023-01417-3



