Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Serum-Calprotectin als leberunabhängiger Biomarker einer systemischen Entzündung bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
Text
Einleitung: Calprotectin wird vor allem von neutrophilen Granulozyten und Monozyten gebildet. Als „Alarmin“ der angeborenen Immunität reflektiert es eine neutrophile und monozytäre Entzündungsaktivität. Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein hepatisches Akute-Phase-Protein mit IL-6-abhängiger Synthese. Unter einer IL-6-inhibierenden (IL6-i) Therapie ist daher das CRP nicht als Biomarker einer Entzündung zu verwenden. Ziel dieser Pilotanalyse war die Evaluation von Calprotectin als Biomarker einer systemischen Entzündung bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.
Methoden: In der rheumatologischen Ambulanz wurde eine monozentrische beobachtende Querschnittsanalyse mit einem Serum-Calprotectin-/CRP-Messpaar pro Patient durchgeführt. Eingeschlossen wurden Patienten ohne IL-6i-Therapie mit einem heterogenen Diagnosespektrum (diverse entzündlich-rheumatische Erkrankungen). Primär wurde die Spearman-Korrelation (ρ) zwischen Calprotectin und CRP berechnet; das 95%-Konfidenzintervall (KI) wurde mittels Bootstrap bestimmt. Sekundär erfolgte eine lineare Regression nach log10-Transformation beider Marker (log-log-Modell). Als Sensitivitätsanalyse wurden Messpaare mit einem CRP ≤0,10 mg/dl (Nachweisgrenze/Floor-Effekt) ausgeschlossen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 246 Messpaare analysiert (Calprotectin Median 3,01 µg/ml; CRP Median 0,60 mg/dl). Es zeigte sich eine signifikante positive Korrelation zwischen Serum-Calprotectin und CRP (Spearman-ρ = 0,591; 95%-KI 0,500–0,669; p < 0,001). Im log-log-Regressionsmodell war Calprotectin ebenfalls signifikant mit CRP assoziiert (β = 0,638; 95%-KI 0,522–0,755; R² = 0,323; p < 0,001). 24,0% der CRP-Werte lagen bei ≤0,10 mg/dl. In der Sensitivitätsanalyse (n = 187) blieben Richtung und Größenordnung der Assoziation konsistent (Spearman-ρ = 0,545; 95%-KI 0,429–0,645; β = 0,506; 95%-KI 0,389–0,623).
Schlussfolgerung: Serum-Calprotectin korreliert in dieser ambulanten Real-World-Kohorte von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen robust mit dem CRP und stützt damit seine Eignung als Entzündungsmarker im Routinelabor auch dieser klassischerweise durch Lymphozyten und nicht Granulozyten/Makrophagen-mediierten Erkrankungen. Aufbauend darauf sollen mögliche Diskordanzen zwischen CRP und Calprotectin insbesondere bei klinischer Krankheitsaktivität (und/oder Infekt) unter IL-6-Inhibition untersucht werden.
References
[1] Hurnakova J, Hulejova H, Zavada J, Hanova P, Komarc M, Mann H, Klein M, Sleglova O, Olejarova M, Forejtova S, Ruzickova O, Vencovsky J, Pavelka K, Senolt L. Relationship between serum calprotectin (S100A8/9) and clinical, laboratory and ultrasound parameters of disease activity in rheumatoid arthritis: A large cohort study. PLoS One. 2017 Aug 23;12(8):e0183420. DOI: 10.1371/journal.pone.0183420[2] Inciarte-Mundo J, Frade-Sosa B, Sanmartí R. From bench to bedside: Calprotectin (S100A8/S100A9) as a biomarker in rheumatoid arthritis. Front Immunol. 2022 Nov 3;13:1001025. DOI: 10.3389/fimmu.2022.1001025



