38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
More than meets the eye: Soziale und psychische Auswirkungen chronischer chorioretinaler Erkrankungen auf die Lebensqualität der Patienten
Text
Hintergrund: Die Diagnostik und Therapie chronischer chorioretinaler Erkrankungen (altersabhängige Makuladegeneration, diabetische Retinopathie, Uveitis, erbliche Netzhaut-Sehbahnerkrankungen) ist im klinischen Alltag gut etabliert. Die soziale und psychische Belastung durch dauerhafte, fortschreitende Sehbeeinträchtigung oder kontinuierliche Therapie steht bei der Betreuung dagegen meist im Hintergrund.
Methode: Literaturreview und eigene Studien zu sozialen und psychischen Auswirkungen chronischer chorioretinaler Erkrankungen auf die Lebensqualität der Patienten.
Ergebnisse: Die Belastung betrifft Patienten und deren Familien in multiplen Aspekten. Bei Erkrankungen mit unspezifischen Erstsymptomen steht am Anfang nicht selten die Belastung durch eine verzögerte Diagnosestellung. Die kontinuierliche Präsenz der Erkrankung durch die Einschränkung bei alltäglichen Aufgaben und Abhängigkeit von anderen sowie die Sorge einer Progression belastet. Das erschwerte Erkennen von Hindernissen erhöht die Sturzgefahr mit schweren Verletzungen. Bei allen Erkrankungen mit kontinuierlicher Therapie belastet der Zeitaufwand für Patienten und Angehörige. Finanzielle Einschränkungen entstehen durch Arbeitsausfall oder Verlust des Arbeitsplatzes, Fahrtkosten und andere Krankheitskosten, die privat zu tragen sind. Häufig ist eine Reduktion sozialer Geborgenheit, sozialer Kompetenz und ein Gefühl der Einsamkeit: Begrenzung der Kommunikation durch Verlust der visuellen Information vom Kommunikationspartner, Einschränkung der Motilität wegen Sturzgefahr und Abhängigkeit von anderen bedingen ein reduziertes Selbstwertgefühl, Frustration und Hoffnungslosigkeit mit Rückzug in soziale Isolation. Daraus entstehende Angst (bis zu 80%) und Depressionen (bis zu 65%) verstärken die Symptomatik. Patienten beklagen oft eine unzureichende psychologische Betreuung.
Schlussfolgerung: Chronische chorioretinale Erkrankungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten. Frühdiagnose und adäquate Therapie sind die augenärztlichen Kompetenzen zur Unterstützung der Lebensqualität. Augenärzte sollten zudem eine Lotsenfunktion bei der Initiierung der multiplen Möglichkeiten der Rehabilitation, sozialen und psychologischen Betreuung wahrnehmen.



